Daneben will Verdi auch Verbesserungen für bestimmte Berufsprofile durchsetzen: Die technischen Berufe etwa sollen aufgewertet werden, eine frühere Senkung der Gehaltstabellen bei der Frachtsparte soll rückgängig gemacht werden. Hinzu kommt eine weitere Forderung: Einzelne, bisher nicht tarifgebundene Einkommensbestandteile in der Logistik, die zuletzt vom Arbeitgeber einfach gestrichen wurden, sollen künftig durch einen Tarifvertrag abgesichert werden. Marvin Reschinsky, der das Verdi-Verhandlungsteam anführt, rechnet mit zähen Gesprächen und kritisiert die aktuelle Haltung der Lufthansa scharf. Trotz guter Wirtschaftszahlen der meisten Konzernbereiche sperrte sich die Führung bislang gegen Zugeständnisse – für Verdi nicht nachvollziehbar. Die Tarifverhandlungen werden in Frankfurt am Main geführt und betreffen eine Vielzahl an Tätigkeiten: Angefangen beim Check-in über die Kundenbetreuung bis hin zur Wartung und Technik sowie administrative Jobs. Ob und wann sich die Fronten bewegen, bleibt abzuwarten – die Gewerkschaft gibt sich jedoch kampfbereit.
Verdi fordert sechs Prozent mehr Lohn oder mindestens 250 Euro monatlich für das Lufthansa-Bodenpersonal und will außerdem Verbesserungen bei technischen Berufen sowie eine Rücknahme der abgesenkten Lohntabellen in der Cargo-Sparte erreichen. Die Gewerkschaft legt Wert darauf, auch bislang ungesicherte Gehaltsbestandteile tariflich abzusichern, insbesondere in der Logistik, wo es zuletzt einseitige Kürzungen durch den Arbeitgeber gab. Die Verhandlungen dürften angesichts des Widerstands der Lufthansa-Führung, trotz positiver Geschäftsentwicklung keine höheren Personalkosten tragen zu wollen, schwierig werden. In den letzten 48 Stunden wurden Streikdrohungen und Arbeitsniederlegungen für den Fall fehlender Fortschritte angedeutet; ähnlich fordern auch Air France-KLM-Bodenmitarbeiter aktuell höhere Löhne. In Bezug auf die allgemeine Lage im Luftverkehrsbereich sehen Experten einen steigenden Druck auf die Airlines, insbesondere angesichts der hohen Inflation und zunehmender Unzufriedenheit bei den Beschäftigten.