Warken rechtfertigt Ende der telefonischen Krankschreibung

Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin, steht hinter der Entscheidung, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen – und sieht darin einen nötigen Schritt nach der Pandemie-Ausnahmeregelung.

02.07.26 20:00 Uhr | 2 mal gelesen

"Die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, hat während der Pandemie ihren Dienst getan – damals war einfach alles anders," erklärt Nina Warken in einem Gespräch mit der 'Rheinischen Post'. Sie stellt klar, dass niemand krank zur Arbeit erscheinen sollte. Dennoch, so betont sie, habe die Telefonregelung die Hemmschwelle für Krankmeldungen teils erheblich gesenkt. Deshalb sei es folgerichtig, diese Option auslaufen zu lassen. Zugleich will Warken digitale Lösungen wie Videosprechstunden nicht nur beibehalten, sondern sogar ausweiten – allerdings mit klaren Regeln gegen Missbrauch. Passend zum Koalitionsvertrag soll die Digitalisierung so vorangetrieben werden, etwaige Schlupflöcher aber geschlossen bleiben. Überraschenderweise bekommt Warken dabei auch Rückendeckung von Friedrich Merz (CDU), der betont, man gehe zur gewohnten Routine von vor Corona zurück – und lasse Spielräume für betriebliche Sonderregelungen. Die Sorge, dass dadurch die Krankheitszeiten länger werden, teilt er nicht: "Das war vorher auch kein Problem." Von SPD-Seite verweist Lars Klingbeil darauf, dass mit dem neuen Gesetz wenigstens keine Karenztage – also Lohnkürzungen bei Krankheit – eingeführt wurden. "Das war uns als SPD wichtig," hält er fest, auch wenn er räumt, dass die Ausgestaltung des Gesetzes entscheidend sein werde. Ganz anders sieht das Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Vereinigung. Er warnt im TV, die neuen Regelungen könnten die Arztpraxen mit noch mehr Bürokratie belasten – eine paradoxe Entwicklung, wo es doch eigentlich um Entlastung gehen sollte. Seine Kritik klingt fast nach Schulnoten: "Thema verfehlt, setzen, fünf."

In Deutschland endet die Möglichkeit, sich ausschließlich per Telefon krankschreiben zu lassen – eine Praxis, die während der COVID-19-Pandemie eingeführt wurde. Während die Bundesregierung auf digitale Alternativen setzt, etwa Video-Sprechstunden, wird aus dem Gesundheitswesen Kritik laut: Fachverbände warnen vor einer Überlastung der Arztpraxen und wachsendem Verwaltungsaufwand. Neue Recherchen zeigen, dass Länder wie Österreich oder die Schweiz während der Pandemie ähnliche Regelungen nutzten, nun aber schrittweise auf strengere ärztliche Kontrollen zurückkehren. Im politischen Diskurs dominiert die Frage, wieviel Vertrauen Arbeitnehmern entgegengebracht werden sollte und wie eine Balance zwischen Gesundheitsschutz und Bürokratieabbau aussehen kann. Dabei gibt es auch in Fachkreisen Stimmen, die offenlassen, ob die Rückkehr zum alten System wirklich die Krankenstände senkt: Studien deuten darauf hin, dass Fehlzeiten nur wenig von der Art der Krankschreibung beeinflusst werden – viel stärker hingegen von der allgemeinen Zufriedenheit im Job und den Arbeitsbedingungen selbst. Zudem wurde am Donnerstagabend bekannt, dass auch der Digitalisierungsausschuss des Bundestags sich mit dem Thema beschäftigen wird, um internationale Best-Practice-Beispiele auszuwerten und gegebenenfalls noch nachzubessern.

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