Wie oft denkt man schon über Wasser nach? Meist dreht man den Hahn auf – läuft. Doch eine aktuelle Analyse von BCG gemeinsam mit dem NABU schlägt Alarm: Fehlt künftig die richtige Steuerung, könnten bis 2050 Verluste von bis zu 625 Milliarden Euro drohen. Das sind jährlich etwa 25 Milliarden – mehr als genug für so manchen Mittelständler, um den Kopf zu verlieren.
Dahinter verbirgt sich mehr als nur der klassische Wassermangel: Unwetter, Hochwasser-Schäden, dürrebedingte Ernteeinbußen und teuer werdende Anpassungen der Industrie. Wenn Flüsse kaum noch Wasser führen, können etwa Binnenschiffe in der Hitze nicht mehr fahren und Lieferketten stocken. Deutschland verbraucht pro Jahr mehr als nachkommt – innerhalb von zwei Dekaden waren es rund 60 Milliarden Kubikmeter, das entspricht mehr als dem Bodensee.
Was läuft schief? Flächenversiegelung, Industriefelder ohne Rücksicht aufs Grundwasser und eine fast schon automatisierte Erwartungshaltung, dass Regen schon alles richten wird. Aber: Klimawandel pustet kräftig in diese Illusion. Häufige Dürrephasen, kapriziöse Niederschläge, sinkende Grundwasserkörper. Die Studie fordert daher: Wasser muss endlich als strategischer Rohstoff ernst genommen, Budgets gebündelt und Initiativen verzahnt werden – also nicht alles wie immer getrennt nach Zuständigkeit. Ein "Wassercent" für Endverbraucher? Warum eigentlich nicht, meinen die Autoren – besser das als viel teurere Spät-Folgen.
Den Landwirten will man mit Fördergeldern unter die Arme greifen, denn regenerative Praktiken könnten pro Jahr die Bodenwasserspeicher um bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter erhöhen. Nicht utopisch, sondern notwendig. BCG-Experte Torsten Kurth spricht sogar von einer Denkfalle: "Wir glauben, Wasser ist im Überfluss da. Aber das Gegenteil ist längst Realität." Die Wasserbilanz ist schon jetzt im Minus, trotz gesunkenem Verbrauch, und die Tür, um gegenzusteuern, steht noch offen – anders als beim Klima, wo vieles träge wirkt. Zeit umzudenken, bevor der eigene Hahn nur noch tropft.
Eine neue BCG-NABU-Studie macht deutlich, dass Deutschland in Sachen Wasserhaushalt auf einen gefährlichen Abgrund zusteuert: Über zwei Jahrzehnte wurde mehr Wasser entnommen als nachgeliefert, was langfristige Risiken für Landwirtschaft, Industrie und Gesellschaft nach sich zieht. Besonders kritisch: Die Kombination aus jahrelanger Flächenversiegelung, intensiver industrieller Landwirtschaft und den immer deutlicher spürbaren Klimawandel-Effekten führt zu einer schleichenden, aber massiven Schwächung des Wirtschaftsstandortes. Aktuelle Meldungen zeigen zudem, dass der Dürremonitor für zahlreiche Regionen Deutschlands bereits „extrem trockene“ Böden meldet, während Unternehmen entlang des Rheins und anderer Flüsse sich auf Lieferengpässe durch Niedrigwasser vorbereiten. Lösungsansätze reichen von gezieltem Wassermanagement und staatlichen Förderprogrammen über strengere Auflagen bis hin zu einer bewussten gesellschaftlichen Neuausrichtung – die kommenden Jahre werden entscheidend sein.