„Klar, es ist alles irgendwie komplizierter geworden“, sagt Andreas Mundt, mal nachdenklich, mal kämpferisch. Die Regeln für Wettbewerbsbehörden, früher fast schon in Stein gemeißelt, geraten immer mehr ins Wanken – zumindest, wenn Staaten anfangen, in Blöcken zu denken. Nationale Interessen prallen aufeinander, und das Kartellrecht steckt plötzlich mittendrin, nicht selten im gern zitierten ‚Strudel der Politik‘. Bei der Berliner Kartellkonferenz diese Woche geht es nicht nur um Paragrafenreiterei: Mundt und internationale Kollegen wollen sich ins Gewissen rufen, dass echte Unabhängigkeit mehr ist als ein leeres Versprechen – sie ist bald ein Prüfstein dafür, ob Marktaufsicht noch glaubwürdig funktioniert. Übrigens: Gerüchte, dass Europa auf den Digitalgiganten X und Co. plötzlich weicher reagiert, weil man Ärger mit den USA scheut – die weist Mundt entschieden zurück. "Wir bekommen keinen Druck von außen, selbst im Dunstkreis des aktuellen Zollgezänks nicht." Auf EU-Ebene sieht er keine politische Zurückhaltung – für ein bisschen Optimismus bleibt also noch Platz, wenn auch nicht viel.
Mundts Besorgnis um die Unabhängigkeit der Wettbewerbsbehörden ist keineswegs unbegründet: Weltweit gibt es derzeit massive Spannungen zwischen politischem Kalkül und den Aufgaben von Wettbewerbswächtern. Internationale Kooperation wird zunehmend von protektionistischen Tendenzen erschwert, etwa im Rahmen globaler Handelsstreitigkeiten. Zuletzt diskutieren Experten etwa über die Gefahr, dass große Volkswirtschaften ihre nationalen Champion-Unternehmen gegenüber ausländischer Regulierung abschirmen und Kartellbehörden dabei an den Rand drängen – auch das Thema digitale Märkte bekommt durch diese Dynamik eine neue Brisanz.