Eigentlich ist es doch verrückt: Da steht man irgendwo zwischen rauschenden Tannen und schroffen Felsen, hört die Murg unten rauschen – und plötzlich ist alles wie in einem alten Buch. Benedikt lehnt am Fels, blinzelt ins Tal, die Geschichten kribbeln in den Füßen, irgendwo zwischen Fantasie und Fernweh. "Springen? Niemals!", ruft Janosch und klammert sich ans Geländer. Kinder und Mutter Susi bleiben an einer Tafel stehen; die nächste Sage wird vorgelesen, irgendwas mit einem Grafen und einem waghalsigen Stunt Richtung Abgrund. Und so ziehen sie weiter, Schritt für Schritt, durch einen Wald, in dem hinter jedem Baum ein neues Abenteuer lauert. Wer's noch spannender haben will: In der Gernsbacher Touristinfo gibt es sogar einen Sagenrucksack, voller Rätsel und geheimnisvoller Aufgaben. Spiel und Spannung, gewissermaßen.
Tatsächlich fühlt sich so eine Tageswanderung auf dem Gernsbacher Sagenweg wie eine kleine Flucht aus dem Alltag an. Wer da langgeht – wie Familie Schneider mit Hund und Kinderschar – begibt sich auf einen 5-Kilometer-Trip, an dem es überall Schilder voller Sagen und Legenden gibt.
Gleich am Anfang steht so eine etwas schiefe Kapelle, die Klingelkapelle. Irgendwie eigentümlich, Sandstein und Holz, verwachsen im Grün. Die Geschichte dazu? Ein Einsiedler, eine weibliche Teufelin, ein dramatisches Glockenspiel und viel Dankbarkeit. Vielleicht war’s ja doch ein Engel, murmelt Charlotte, und da ist dieser leicht schüchterne Zauber in der Luft, den nur Kinder spüren.
Der Pfad selbst nimmt keine Rücksicht auf Tempo: Eng, verwurzelt, hell und dämmrig zugleich, und manchmal denkt man, dass jeden Moment ein Zwerg hinterm Farn hervorblinzelt. Tom und Moritz stürmen voran, kapern jeden Felsen, während die Großen gemächlicher wandern. Reiswaffeln knistern, Füße schmerzen langsam. Steil zum Schluss, bis hoch zum Schloss Eberstein. Plötzlich liegt das Schloss wie eine Krone mitten im satten Grün. Unten Weinreben, rundherum der Schwarzwald – fast ein bisschen surreal.
Kein Märchen (aber fast): Oben wartet dann, was ein echter Ausflugsthriller immer braucht – Pommes, Schnitzel und ein Schluck Rosé. Die Kinder spielen Ritter, die Eltern lehnen sich zurück. Ein Sommertag, der sich anfühlt wie Urlaub und ein bisschen nach Kindheit schmeckt. Selbst Hund Eddi kriegt seinen Becher Wasser und ein paar Streicheleinheiten. Und irgendwo draußen im Wald flüstert bestimmt gerade eine neue Sage.
Der Gernsbacher Sagenweg im Schwarzwald verwandelt Wandern in ein märchenhaftes Erlebnis: Familien schlendern entlang eines fünf Kilometer langen Weges, gesäumt von Stationen, an denen alte Legenden und Sagen erzählt und spielerisch erlebt werden können. Märchenhafte Schauplätze wie die Klingelkapelle und das Schloss Eberstein schaffen eine Atmosphäre, in der Fantasie und Natur verschmelzen; der Weg begeistert durch abwechslungsreiche Pfade, versteckte Felsen und leuchtende Blumenspots. Ergänzend dazu wurde der Tourismus in der Region seit 2023 weiter ausgebaut, etwa durch digitale Angebote zur Sagenwelt und spezielle Kinderführungen; zudem berichten mehrere überregionale Medien aktuell mehrfach über steigendes Besucherinteresse am Sagenweg sowie die Bedeutung solcher Erlebnispfade für nachhaltigen Deutschlandtourismus.