ARTE-Themenabend: Ukraine im Kriegsdauermodus – Perspektiven, Widerstand, Identitäten

Strassburg – Bereits vier Jahre dauert der Angriff Russlands auf die Ukraine. Trotz Sanktionen, neuer politischer Konstellationen und nicht abreissender Kämpfe bleibt das Ende ungewiss.

heute 13:06 Uhr | 2 mal gelesen

Februar 2026: Der russische Überfall auf die Ukraine jährt sich zum vierten Mal. Sanktionen wurden verschärft, Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump verlaufen zäh – doch scheinbar ist kein Frieden in Sicht. Wie gelingt es dem Kreml wohl, seine Rüstungsindustrie trotz internationaler Blockaden am Laufen zu halten? Und wie wird die Gesellschaft in den weniger sichtbaren Regionen Russlands auf eine anhaltende Kriegsrealität eingestimmt? Der Themenabend auf ARTE deckt genau diese Fragen ab, wagt aber auch einen intimen Blick auf Menschen, deren Lebensrealität völlig vom Krieg auf den Kopf gestellt wird. Mit Beiträgen wie „Putins geheime Waffen“ (zweiteilig, investigativ, französisch produziert) geht es ins Dickicht aus Altbeständen, moderner Raketentechnologie und einem rätselhaften Mix aus Oligarchennetzwerken, Scheinunternehmen und zwielichtigen Kanälen für Technik- und Wissenstransfer. Es ist fast wie eine Art Wirtschaftskrimi, bei dem man nie so genau weiß: Wer steckt wirklich hinter den Waffenlieferungen? Im Anschluss folgt der Film „Ein Nobody gegen Putin“. Das Portrait eines russischen Lehrers, der in Karabasch mit dem System hadert, wenn ihm plötzlich die Rolle des patriotischen Propagandisten zugeschoben wird. Zwischen Zweifeln und Anpassungsdruck gibt der Film Einblick in die absurde Normalität, die im Schatten staatlicher Medien geschaffen wird. Später in der Nacht, bei „Queens of Joy – Queerer Kampf für Freiheit“, dreht sich alles um Dragqueens aus der Ukraine, die ihre eigene und politische Existenz im umkämpften Land nicht aufgeben wollen. Ob an der Front, bei Benefizshows oder im alltäglichen Überleben – intime Momente, schräge Bühnenkostüme und brutaler Ernst greifen ineinander. Im digitalen Zusatz zeigt „Masha on Russia: Vom russischen Kriegshelden zum Landesverräter“ die Geschichte eines geflohenen Soldaten aus Russland: Vom Paradehelden der Propaganda zum Geächteten, weil sein Bild nicht länger in das offizielle Narrativ passt. Propaganda, persönlicher Mut und innere Konflikte vermengen sich zu einem beklemmenden Zeitbild. Eine beeindruckende Mischung aus investigativem Journalismus und seltener (Selbst-)Reflexion.

Die ARTE-Themenreihe 'Ukraine – Krieg ohne Ende?' bietet einen mehrschichtigen Zugang zum russisch-ukrainischen Krieg, der längst weit mehr als nur geopolitischer Konflikt ist. Neben verdeckten Waffenströmen und trickreichen Umgehungen der Sanktionen beleuchtet die Sendestrecke die inneren sozialen und psychologischen Abenteuer von Menschen, die sich zwischen Anpassung, Widerstand und Identitätsfrage behaupten müssen. Aus aktuellen Berichten (Juni 2024) geht hervor, dass die russische Waffenproduktion auf bisher überraschend hohem Niveau stabil bleibt, weil Moskau mittels Technologiebeschaffung im Ausland und kreativen Umgehungen der Westsanktionen seine Fabriken am Laufen hält. Gleichzeitig sorgt die Mobilisierung, besonders in abgelegenen Regionen Russlands, für soziale Spannungen und einen schleichenden Wandel im Land – laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) werden immer mehr Stimmen aus den Regionen laut, die Fragen nach einer Rückkehr zum Frieden stellen. Die Lage in der Ukraine bleibt derweil dramatisch: Während die Front kaum noch Bewegung zeigt, häufen sich Berichte über zivile Verluste und Überlebensstrategien der Menschen, vom improvisierten Unterricht im Schutzbunker bis hin zu neuen Formen des zivilgesellschaftlichen Widerstands (vgl. Zeit Online). Zudem stehen die Rechte und Freiheiten queerer Menschen im belagerten Land besonders unter Druck, gleichzeitig aber erwächst gerade hier eine stärkere Stimme für gesellschaftliche Teilhabe und Identität – zahlreiche NGOs berichten über wachsende Solidarität und internationale Unterstützung in der Szene.

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