Bergarbeit statt Bildschirm: Wie Deutsche auf Schweizer Almhöfen Zeit, Sinn und Muskelkater finden

Der Sommer in den Schweizer Bergen ist nichts für schwache Nerven – und noch weniger für schwache Hände. Immer mehr Menschen aus Deutschland lassen Laptop und Smartphone zuhause liegen, um Schweizer Bergbauernfamilien tatkräftig zu unterstützen – und finden dort eine überraschende Auszeit fernab digitaler Reizüberflutung. Caritas Schweiz sucht dringend weitere Helfer, viele von ihnen kommen inzwischen aus Deutschland.

heute 09:58 Uhr | 3 mal gelesen

Es gibt Tage, da scheint der Berg steiler zu werden, je länger man hinschaut – und kaum hat die Heuernte begonnen, fällt eine helfende Hand wegen Krankheit oder Unfall aus. Damit das, was auf dem Feld und im Stall getan werden muss, nicht liegen bleibt, setzt Caritas Schweiz auf freiwillige Unterstützung. In diesem Jahr haben über 100 Bergbauernfamilien gemeldet, dass sie ohne zusätzliche Helfer kaum zurechtkommen; dennoch fehlen noch rund 600 Freiwillige. Hauptsaison ist – wie sollte es anders sein – zwischen Juni und September. Dann reißt der Strom der Arbeit kaum ab: Vieh versorgen, Stall fegen, Futter einlagern, Zäune ausbessern, manchmal auch Unterstützung bei Kinderbetreuung oder Küchenchaos. Wer mitmacht, lernt schnell: Digital Detox gibt es hier inklusive. Handyempfang? Fehlanzeige. Und nach zehn Stunden draußen kehrt man ohnehin lieber mit schmutzigen Stiefeln und ruhigem Kopf als mit neuen Mails zurück. Laut Kyra Renidear von Caritas schätzen viele genau diese Erfahrung: Oft bleibt nach einer Woche Muskelkater, aber noch öfter der Eindruck, dem eigenen Alltag etwas entgegengesetzt zu haben – weniger Stress, mehr Bewusstsein. Der Weg ist gerade für Deutsche mittlerweile denkbar unkompliziert: Meldeformular, Koffer packen, vielleicht noch ein bisschen Schweizerdeutsch üben – fertig. Für EU- und EFTA-Angehörige genügt eine Anmeldung, um loszulegen. Übrigens: Das kommende Jahr 2026 hat für die Landwirtschaft noch eine besondere Note – die UNO rückt mit einem Themenjahr explizit die Rolle von Bäuerinnen und Landwirtinnen ins Rampenlicht. Unter allen Knochenjobs auf dem Berg bleibt nämlich häufig unsichtbar, wie viel Last eigentlich von Frauen geschultert wird. Gar nicht so schlecht also, wenn einmal mehr Menschen genau hinschauen und vielleicht sogar mitanpacken wollen. Nähere Infos, wie man Teil davon werden kann, gibt’s bei Caritas Schweiz.

Immer mehr Deutsche entdecken die Arbeit auf Schweizer Bergbauernhöfen als Alternative zum städtischen Alltag – und als Gelegenheit, den Kopf frei zu bekommen. Caritas Schweiz organisiert jährliche Hilfseinsätze, damit Bergbauernfamilien besonders in arbeitsintensiven Phasen wie Ernte oder Stallarbeiten nicht überfordert werden. Nach jüngsten Berichten von www.zeit.de steigt die Zahl der Interessenten aus Deutschland, insbesondere jüngere Erwachsene – sie erleben auf dem Hof einen bewussten Bruch mit der digitalen Welt und nehmen bleibende Eindrücke von Gemeinschaft und Handarbeit mit. Zugleich rückt die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft stärker ins Blickfeld, wie der UNO-Schwerpunkt 2026 unterstreicht: Laut Süddeutscher Zeitung sind weibliche Arbeitskräfte auf Alpenhöfen oftmals das Rückgrat des Betriebs, werden aber selten offiziell anerkannt (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Perspektive vieler Teilnehmenden ist unterschiedlich – manche bleiben bei der Arbeit, manche kommen gerade wegen der Distanz zur digitalen Dauerpräsenz (Quelle: Zeit). Laut Berichten der taz erleben Freiwillige ihr Engagement als ganzheitliche Veränderung, die auch nach der Heimkehr lange nachwirkt (Quelle: taz).

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