Bischof Bertram Meier beendet Reise durch Sarajevo – Einblicke in das Mosaik des Dialogs

Bonn – Nach mehreren Tagen in Sarajevo schließt Bischof Dr. Bertram Meier, zugleich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz für Weltkirche und Interreligiösen Dialog, seine Reise ab. Neben zahlreichen Gesprächen mit religiösen Führern unterschiedlicher Glaubensrichtungen traf er auch Vertreter aus Wissenschaft, Gesellschaft und internationalen Organisationen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie gestaltet sich das Miteinander der Religionen im postkonfliktiven Bosnien und Herzegowina?

heute 13:48 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal ist es gar nicht so einfach, einfach als Lernender aufzutreten. Doch genau so beschreibt Bischof Bertram Meier seinen Ansatz während seines Besuchs in Sarajevo. Knapp drei Jahrzehnte nach Ende des Krieges fühlt sich das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen an wie eine zerbrechliche Keramik – wertvoll, aber auch voller feiner Risse. Die katholische Kirche ist dabei keineswegs ein fremder Akteur. Fragen wie: In welcher Form sorgt das Christentum für Verständigung? Und wie sehen die Bürger ihre Zukunft? beschäftigten ihn. Unverblümt erzählten ihm viele vor Ort: Hier ist die Koexistenz der Religionen kein abstraktes, akademisches Thema, sondern Teil des Alltags, geprägt von einer geteilten, oft schmerzhaften Geschichte und aktuellen Unsicherheiten. Bosnien und Herzegowina mag klein erschienen, aber das Gewicht der Erinnerungen, der Herausforderungen und des Willens zum Frieden ist enorm. Die Sicht auf Vergangenheit und Zukunft geht auseinander, aber die Angst, den mühsam gewachsenen Frieden aufs Spiel zu setzen, schweißt trotzdem zusammen. Noch sind die Spuren des Krieges deutlich – in Mauern, Gesichtern, Gesprächen. Und doch: Sarajevo, so schien es Meier, ist heute wieder ein Treffpunkt – zumindest für jene, die auch jenseits der eigenen religiösen Grenzen Begegnungen suchen. Die Rolle der Religion im gesellschaftlichen Frieden ist kaum zu unterschätzen. In Bosnien und Herzegowina, wo Identität oft religiös definiert wird – bosnische Muslime, orthodoxe Serben, katholische Kroaten – kann der Dialog Türen öffnen oder Konflikte verkrusten. Der Krieg hat Spaltungen hinterlassen, die Wunden sitzen tief; Meier schilderte bewegende Erzählungen von Zeitzeugen, denen die Schrecken der Belagerung von Sarajevo nach wie vor präsent sind. Trotzdem gibt es Ansätze für Annäherung: Die Gründung eines gemeinsamen Interreligiösen Rates etwa, dessen Arbeit auf nationaler wie regionaler Ebene Vertrauen und Versöhnung fördert. Begegnungen mit muslimischen, christlichen und jüdischen Leitern, Besuche an theologischen Fakultäten – konkrete Erfahrungen, die das Dialogpotenzial der Religionen in den Vordergrund stellen. Das Interreligiöse Studienprogramm, bei dem angehende Theologen unterschiedlichster Couleur miteinander lernen, sieht Meier als Hoffnungsträger – kleine Samen für ein friedlicheres Zusammenleben. Die katholische Kirche im Land kämpft indes mit ihren eigenen Nöten: mangelnde politische Vertretung, Abwanderung junger Menschen, teils ein schrumpfendes Gemeindeleben. Und dennoch bleibt sie eine Art nervöse Konstante – präsent in sozialen Projekten, in der Jugendpastoral, beim Versuch, Brücken zu bauen. Die Solidarität der deutschen Kirche bleibt dabei zugesichert. In Gesprächen mit Vertretern der internationalen Gemeinschaft – etwa dem Hohen Repräsentanten Christian Schmidt oder dem deutschen Botschafter – kam die Verantwortung Europas ins Spiel. Viele Bosnier hoffen auf einen Weg in die EU, wissen aber um die politischen und gesellschaftlichen Hürden. Meier ist überzeugt: Gerade der religiöse Dialog, als tägliche Praxis und nicht nur als Sonntagsrede, kann den Zusammenhalt in der Region stützen und vielleicht einige der klaffenden Kluften ein Stück schließen helfen.

Bischof Bertram Meier hat bei seiner Reise nach Sarajevo vor allem die Bedeutung des interreligiösen Dialogs im multiethnischen Bosnien und Herzegowina betont. Der Dialog zwischen religiösen Gruppen sei im Alltag vieler Menschen tief verankert, obwohl die Spuren des Bosnienkriegs deutlich sichtbar bleiben und die gesellschaftliche Spaltung immer noch eine große Herausforderung darstellt. Neben Gesprächen mit Würdenträgern aller großen Religionen lag ein besonderer Fokus auf gemeinschaftlichen Initiativen – wie dem Interreligiösen Studienprogramm – die Hoffnung auf Versöhnung und langfristigen Frieden machen. Meier sprach offen die Schwierigkeiten der katholischen Minderheit an, insbesondere die politische Benachteiligung und die Abwanderung junger Katholiken. Die internationale Gemeinschaft, insbesondere im Rahmen der EU-Perspektive, spielt weiterhin eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Landes – über 90 Prozent der Bevölkerung unterstützen derzeit einen EU-Beitritt laut DW. Aktuelle Recherchen verdeutlichen, dass die EU nun stärker auf Reformen in Bosnien und Herzegowina drängt und Brüssel konkrete Fortschritte fordert, um einen möglichen Erweiterungsprozess überhaupt voranzutreiben (Quelle: [DW.com](https://www.dw.com)). Die wachsenden Spannungen in der Region – etwa durch Sezessionsbestrebungen in der Republik Srpska – sowie ein Anstieg an Auswanderung, vor allem unter jungen Menschen, erschweren die gesellschaftliche Einigung weiter (Quelle: [spiegel.de](https://www.spiegel.de)). Gleichzeitig setzen religiöse Akteure vermehrt auf praktische Projekte, um das historische Miteinander zu einer tragenden Brücke ins 21. Jahrhundert zu machen.

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