Bofinger: Aufnahme von Beamten in die gesetzliche Rente birgt hohe Risiken

Peter Bofinger, der bekannten Rentenkommission angehört, sieht schwere Nachteile darin, Beamte ins System der gesetzlichen Renten zu holen.

heute 08:07 Uhr | 2 mal gelesen

„Das wäre eine enorme, vielleicht sogar toxische Belastung für die öffentlichen Haushalte“, sagte Bofinger gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Stellt man das System um, ergibt sich zunächst eine paradoxe Lage: Während der Staat weiterhin für die aktuellen Ruheständler Pensionen zahlt, müsste er parallel für neu angestellte Beamte Rentenversicherungsbeiträge abdrücken. Diese seltsame Dopplung würde Jahrzehnte anhalten. Offen gesagt – wer hier eine saubere Lösung in der Schublade hat, soll sie ruhig vorzeigen. Leicht ist das jedenfalls nicht zu regeln. Und rechtlich? Auch nicht ohne: Die Verfassung gewährt Beamten eine Sonderstellung, geschützt höchstrichterlich. „Man müsste schon Grundsätzliches ändern, vielleicht gar das Grundgesetz anpassen“, so Bofinger. Alternativ müsste das Loch mit höheren Löhnen geschlossen werden. In ihrem letzten Bericht beschrieb die Rentenkommission zwar eine Erwerbstätigenversicherung mit Einschluss der Beamten als Wunschbild – aber setzte zugleich ein dickes Fragezeichen bei Realismus und Umsetzbarkeit. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte jüngst erneut laut über eine solche Reform nachgedacht.

Bofingers Warnung dreht sich hauptsächlich um den enormen Spagat, den der Staat leisten müsste: neu eingestellte Beamte im Rentensystem, während die alten noch auf Pensionen pochen – doppelte Ausgaben, und das voraussichtlich vier Jahrzehnte lang. Verfassungsrechtlich sitzt das Problem noch tiefer, weil das Beamtenverhältnis rechtlich als empfindlich und besonders gesichert gilt, was echte Hürden bei einer Systemumstellung bedeutet. Die politischen Zeichen stehen dennoch auf Debatte: Die Forderungen nach einer gerechteren Teilhabe aller Erwerbstätigen – auch der Beamten – an der gesetzlichen Rente werden lauter, aber konkrete Modelle oder praktikable Fahrpläne zur Überwindung der finanziellen und rechtlichen Probleme gibt es bislang kaum. Laut aktueller Berichterstattung ist nach wie vor eine Reform der Rentenversicherung in der Diskussion, wobei die finanziellen Folgen einer Einbeziehung der Beamten als größte Herausforderung gesehen werden. Mehrere Quellen weisen zudem darauf hin, dass das Thema politisch stark polarisiert, etwa hinsichtlich Generationengerechtigkeit und der Zukunft nachhaltiger Alterssicherung. Darüber hinaus werden neue Ansätze wie kapitalgedeckte Rentenelemente durchaus diskutiert, die das System insgesamt flexibler und belastbarer machen könnten.

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