Es ist irgendwie paradox: Wir wissen doch seit Jahren um die Gefahren von Rauchen und Alkohol, aber gerade hierzulande scheint das Wissen oft schwach auf die eigene Praxis abzufärben. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hat sich deshalb mit einer ziemlich deutlichen Forderung geäußert: Tabak und Alkohol müssten viel, viel teurer werden – im Kern, um Kinder und Jugendliche ganz pragmatisch davon fernzuhalten. Seiner Meinung nach ist die Bundesrepublik, was selbstfürsorgliches Verhalten betrifft, eher Mittelmaß – die Lebenserwartung der Menschen sei jedenfalls unter dem europäischen Durchschnitt. Und wer einmal raucht oder sich früh regelmäßig Alkohol gönnt, bleibt oft ein Leben lang dabei. Gassen meint dazu, Ärzte könnten im Ernstfall nur noch Schäden reparieren, nicht mehr verhindern. Spannend sein Vorschlag: Die Zigarettenschachtel sollte mindestens 20 Euro kosten – etwas, was sich Jugendliche dann kaum noch leisten könnten. "Da hilft auch das berühmte 'Kurz-mal-schnorren' nichts mehr", argumentiert er nüchtern.
Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte bläst ins gleiche Horn. Jakob Maske, dort im Vorstand, weist darauf hin, dass immerhin knapp 10 Prozent der 13- bis 17-Jährigen rauchen – eine nicht gerade kleine Zahl. Seine Forderung: Mindestens doppelt so hohe Preise für Zigaretten, bitte. Und nein, E-Zigaretten und Vapes dürften da nicht ausgenommen werden.
Tatsächlich gibt es bereits Pläne der Bundesregierung, Stück für Stück die Tabaksteuer anzuziehen. Rund 11,40 Euro pro Schachtel könnten 2030 aufgerufen werden, so die Planungen des Finanzministeriums – von 20 Euro ist bislang jedoch weit und breit keine Rede. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck hält deutliche Preis- und Steuersteigerungen übrigens auch für das wirksamste Instrument, um die Gesundheit in der Bevölkerung zu schützen. Übrigens: Über Sinn und Unsinn solcher Preisbremsen ließe sich vermutlich ewig streiten. Aber eigentlich auch nicht.
Der Ruf nach höheren Tabak- und Alkoholpreisen erhält neuen Rückenwind, nachdem sowohl führende Ärzte-Organisationen als auch der Drogenbeauftragte deutliche Maßnahmen fordern. Sie argumentieren, dass besonders Jugendliche durch knackige Preiserhöhungen besser vor einem Einstieg in Suchtverhalten bewahrt werden könnten – und verweisen auf alarmierende Statistiken: Aktuell raucht etwa jeder zehnte Teenager im Alter von 13 bis 17 Jahren. Die Bundesregierung plant zwar moderate Steueranhebungen bis 2030, doch viele Experten halten diese für zu zaghaft; international zeigen Länder wie Australien, dass drastische Preissteigerungen tatsächlich zu deutlich sinkenden Konsumraten führen. Weltweit empfehlen die WHO und EU-Gremien die Erhöhung der Tabaksteuer als eine der effektivsten Maßnahmen zur Eindämmung von Suchtverhalten und zur Senkung tabakbedingter Krankheitskosten. Demgegenüber steht die Kritik, wonach zu strikte Besteuerung illegale Märkte befeuern könnte – eine Sorge, die auch in Deutschland wiederholt laut wird.