„Seit die Endlagersuche neu gestartet wurde, ist die Realität eine andere geworden – überall nehmen bewaffnete Konflikte zu“, sagte König der "Welt am Sonntag". Er findet es kaum nachvollziehbar, dass Deutschland mehr als 1.700 Castor-Behälter, gefüllt mit der radioaktiven Fracht von Tschernobyl-Ausmaßen, noch jahrzehntelang in oberirdischen Lagerhallen stehen lässt. Für ihn sei unbegreiflich, weshalb im Umweltministerium bei der Gesetzesanpassung zur Endlagersuche etliche, lediglich verfahrensbedingte Hürden aus dem Standortsuchgesetz nicht angetastet werden, obwohl sie die Sache hinziehen, ohne sicherheitstechnisch wirklich zu nutzen.
Carsten Schneiders Umweltministerium (SPD) arbeitet aktuell am Standortauswahlgesetz, um bei der Endlagersuche aufs Gaspedal zu treten. Die Initiative kam, weil schon letztes Jahr klar wurde: Das offizielle Zieljahr 2031 ist Geschichte – real wird es Jahrzehnte länger dauern. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) und das zuständige Amt BASE rechnen damit, dass allein die Standortentscheidung bis mindestens 2074 dauern könnte, falls rechtlich alles bleibt wie bisher.
Das Ministerium erklärte, ein vorgezogener Standortbeschluss um 2050 werde mit der geplanten Novelle angepeilt; aber alles sei noch ziemlich roh, ein finaler Entwurf liege nicht vor – der Minister selbst habe noch kein OK gegeben. Mit den Daten und Details der Referentenpapiere hätten Medien in Teilen bereits berichtet. Für König aber bleibt das neue Zieljahr 2050 luftleer: Es stehe weder richtig drin, noch könne jemand erklären, wie es gesetzestreu erreichbar wäre. Er warnt eindringlich: Noch mehr vage politische Versprechen untergraben das Vertrauen in die Endlagersuche weiter.
König, bis 2017 Chef des Strahlenschutzamts, danach bis 2024 Leiter der Atomaufsicht BASE, fordert, die Suche endlich an die Realität und die gewachsenen Gefahren anzupassen. Deutschland müsse den Zeitpunkt definieren, ab wann die risikoreiche Zwischenlagerung nicht mehr akzeptiert werde, und daraus das gesamte Verfahren ableiten. Er meint: Es gibt bereits genug Daten, um große Flächen von vornherein als ungeeignet zu streichen.
Ach ja, und während Politiker debattieren, wartet der radioaktive Müll – schweigend.
Wolfram König kritisiert scharf, dass das Bundesumweltministerium bei der Reform der Endlagersuche nicht entschlossener Tempo macht. Ihn beschäftigt, dass angesichts neuer internationaler Unsicherheiten wie Kriegen weiter auf ausführliche bürokratische Vorgänge gesetzt wird, während zehntausende Tonnen Atommüll weiterhin nur zwischengelagert sind. Jüngste Recherchen ergaben, dass der Endlagerprozess sich wegen rechtlicher und politischer Verzögerungen noch Jahrzehnte hinziehen könnte: Gerade hat u.a. die Süddeutsche Zeitung betont, wie widersprüchlich Regierung und Behörden beim Thema Zeitplan und Risiken kommunizieren. Auch der Spiegel berichtete erneut über gestiegene öffentliche Skepsis und Protest gegen neue Atomanlagen und Endlagervorstöße. Zudem betonen Fachmedien (wie t3n und Energieblogger), dass Software, Datenanalyse und „offene Partizipationsformate“ bislang kaum mehr Tempo oder Vertrauen gebracht haben – oft herrscht unveränderte Unsicherheit und Misstrauen in der Bevölkerung.