Ins Detail geht Amprion und spricht unverblümt von Problemen: Der häufige Wechsel zwischen Erdkabel und Freileitung entlang einer Leitung bringe ausufernde Genehmigungsverfahren mit sich. 'Das Ganze wird wie eine Nähmaschine,' lässt ein Vertreter fallen. Ein bisschen spöttisch vielleicht, gewiss aber nicht grundlos. Nicht nur der Aufwand steigt—auch technische Herausforderungen und erhebliche Risiken für Genehmigungen tauchen auf.
TransnetBW gibt sich grundsätzlich offen, aber warnt: Extra Regeln können Projekte um locker ein bis zwei Jahre verzögern. Und jeder Wechsel kostet, und zwar Millionen—von rund 70 Millionen Euro ist die Rede, plus neue Anlagen obendrauf. RheinEnergie bringt das Ganze auf einen pragmatischen Punkt: Betrieb und Investition für Erdkabel? Deutlich teurer, dazu noch eine kürzere Lebensdauer, wenig akzeptiert und letztlich wird Strom einfach für alle teurer.
Gegenstimmen fehlen allerdings nicht. Eine Rechtsanwaltskanzlei rechnet vor: Wer mitten im Planungsprozess Erdkabel durch Freileitungen ersetzt, bekommt gleich nochmal vier bis sieben Jahre Verzögerung obendrauf—durch neue Genehmigungen, Planungen, Gutachten. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für neue Freileitungen—auch das braucht Zeit. Und für die Sicherheit: Erdkabel sind schwerer anzugreifen als Freileitungen, was gerade in unruhigeren Zeiten nicht vernachlässigt werden sollte.
Zuletzt warnt auch der norddeutsche Verband für erneuerbare Energien vor chaotischen Effekten, sollte bereits Geplantes umgedreht werden. Mehr Unsicherheiten, mehr Zeit, mehr Geld – und vermutlich noch mehr schlechte Laune bei Anwohnern.
Hintergrund dieser Debatte: Ein geplanter Gesetzentwurf soll für Tempo sorgen beim deutschen Stromnetzausbau. Neue, insgesamt 45 Projekte sollen aufgenommen, 13 bestehende geändert und insgesamt 58 als besonders dringend eingestuft werden.
Die aktuelle Debatte um die Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes spiegelt einen spürbaren Zielkonflikt wider: Netzbetreiber sehen im Vorrang von Freileitungen einen schnelleren, günstigeren und technisch überschaubareren Weg für den Netzausbau. Erdverkabelungen verursachen ihnen zufolge nicht nur enorme Mehrkosten und längere Bauzeiten, sondern bringen auch zusätzliche Genehmigungsrisiken. Kritiker hingegen führen an, dass Rückschritte bei laufenden Erdkabelprojekten für eine Planungs- und Bauverzögerung von bis zu sieben Jahren sorgen könnten, da umfangreiche Umplanungen und neue Genehmigungen nötig wären. Trotz der vorgebrachten Argumente hat sich die Akzeptanz von Erdkabeln in vielen Regionen nicht wie erhofft erhöht. Hinzu kommt: Die Beschleunigung des Ausbaus ist für das Gelingen der Energie- und Klimawende in Deutschland elementar, weil jedes Jahr Verzögerung nicht nur Kosten, sondern auch politische und ökologische Risiken birgt. Laut aktueller Recherchen sind die Debatten zum Großteil festgefahren: Netzbetreiber beharren auf Planungssicherheit und Effizienz, während Umwelt- und Anwohnerinteressen oft unvereinbar gegenüberstehen. Auffällig ist, dass bei einer steigenden Bedrohungslage auch der Schutz unterirdischer Netze sicherheitspolitisch neue Gewichtung bekommen könnte.