Jeden Monat bietet das 'ARD Debüt' einen Vorstellungsraum für neues, junges Kino – eine Bühne für Filmschaffende, denen man vielleicht morgen öfter begegnen wird. Im April steht 'Tage mit Naadirah', die filmische Feuertaufe von Josephine Frydetzki, im Scheinwerferlicht. Frydetzki, eine gebürtige Leipzigerin, saß nicht nur hinter der Kamera, sondern schrieb auch am Drehbuch mit – das merkt man dem Film an, der atmosphärisch und lokal verwurzelt in Leipzig und Halle entstand. Die Handlung? Daniel, ein Mann, der früher mehr wollte, als das Leben (oder war es eher der Alltag?) und sich nun auf eine fast bequeme Existenz im familiären Fahrwasser verlegt hat, begegnet Naadirah, einer jungen Frau aus Katar. Was zunächst schlicht wie ein Taxi-Job beginnt, entwickelt sich zum undurchsichtigen Spiel um Macht, Nähe und – hier wird’s interessant – um die großen Fragen nach Selbstbestimmung und Lebensentwürfen. Daniel, gespielt von Christoph Humnig, gerät durch Naadirah (Kenda Hmeidan) in einen inneren Konflikt, den er so nicht gesucht hat. Als sie plötzlich verschwindet, muss er sie wiederfinden – und damit vielleicht auch ein Stück von sich selbst. Produziert wurde der Film von Departures Film (Leipzig), 23/5 Filmproduktion, MDR, ARTE und SWR mit kräftigem Rückenwind durch diverse Filmförderungen, darunter DFFF und FFA. Der MDR hebt so nochmal sein Engagement für neue Kinotalente und für Mitteldeutschland als kreativen Filmstandort hervor. Wer Lust auf frisches Kino hat, findet mehr unter www.ardmediathek.de/ard-debut.
„Tage mit Naadirah“ versteht sich als intensiver, atmosphärisch dichter Beitrag zum zeitgenössischen Autorenfilm – die Regisseurin Josephine Frydetzki setzt auf das Spannungsfeld zwischen Kulturen, Generationen und Vorstellungen von persönlicher Freiheit. Mit ihrem Debüt wagt sie es, aktuelle Themen wie (Selbst-)Entfremdung, Migration und die Suche nach neuer Authentizität in die lakonische Alltagspoesie Mitteldeutschlands zu verorten. Neuere Kritiken loben insbesondere die schauspielerische Leistung von Kenda Hmeidan und das komplexe Zusammenspiel zwischen den Hauptfiguren, während die ARD-Reihe weiterhin als wichtiger Motor für deutschsprachiges Debütkino gilt. Aus aktuellen Pressestimmen heraus ist außerdem zu entnehmen, dass die ARD-Debütsektion gezielt Diversität fördert und Debatten über gesellschaftliche Transformation, kulturelle Identität sowie soziale Umbrüche anregt. Im Kontext der deutschen Kinolandschaft heben Fachleute zudem würdigend hervor, wie sorgfältig Produktion und Förderung im Hintergrund ineinandergreifen – selten stehen Erstlinge derart umfassend unterstützt im Fokus. Interessanterweise zieht Friedetzkis Werk Vergleiche zu anderen neuen deutschen Filmen, die sich weniger auf große Dramatik, sondern mehr auf leise Töne, starke Dialoge und atmosphärische Dichte konzentrieren.