Es klingt fast paradox: Während Rohstoffpreise auf Rekordhöhe klettern und globale Lieferketten weiterhin holpern, verzeichnet der Markt mit Gütesiegel trotzdem satte Zuwächse – zumindest beim Fairtrade-Kakao. Rund 22 Millionen Euro an Prämien – quasi das Extra-Brot für die Kooperativen – sollen nach der aktuellen Prognose 2025 fließen. Davon profitieren nicht nur ein paar einzelne Bauern, sondern ganze Gemeinschaften: Mal werden neue Klassenzimmer gebaut, dann wieder Trinkwasserprojekte finanziert oder nachhaltigere Anbaumethoden eingeführt.
Claudia Brück, die bei Fairtrade Deutschland im Vorstand sitzt, bringt's plastisch auf den Punkt: „Selbst in der Krise möchten Leute nicht auf ihre Schokolade verzichten – und sie achten vermehrt darauf, dass sie aus fairen Quellen stammt.“ Fast schon erstaunlich, dass sich nach bald 30 Jahren im Geschäft ausgerechnet jetzt der Absatz nach oben schraubt. 1996 fing alles mit ein paar Tafeln an. Heute sind 21 Prozent Marktanteil erreicht, stolze 185 Hersteller mischen mit.
Ein kleiner Sprung: 2014 dann die Einführung des sogenannten Rohstoff-Siegels. Klingt sperrig, hat aber bewirkt, dass Unternehmen gezielt Fairtrade-Kakao für einzelne Produkte oder auch größere Produktionsumfänge beziehen können. Der Effekt damals? Die Verkaufszahlen schnellten im Vergleich zum Vorjahr unfassbar nach oben – ein echter Sprung nach vorn.
Wenn man auf die Gesamtbilanz schaut: Über ein halbes Million Tonnen Kakao wurden seit Beginn in Deutschland fair gehandelt, mehr als 130 Millionen Euro an Prämien ausgeschüttet. Klingt viel – ist es auch. Aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Die Lebensbedingungen vieler Kakaoproduzent*innen sind weiterhin schwierig. Deswegen setzt Fairtrade auf eine belastbare Strategie. Die Formel: Existenzsichernde Preise plus Zugang zu Bildung, Gesundheit, sicherem Wohnen, Wasser. Klingt logisch, ist aber ohne langen Atem kaum zu schaffen.
Spannend ist, dass die Initiative nicht nur auf das Monetäre baut. Es geht um nachhaltigen Anbau, soziale Projekte, größere Abnahmemengen – kurz: darum, dass Kleinbäuerinnen und -bauern nicht allein auf weiter Flur stehen. Jährlich kommt Fairtrade auf der ISM in Köln zusammen. Für 2026 steht das Motto fest: „Securing Cocoa's Future – Together“. Klingt nach Zukunft, bleibt aber eine Daueraufgabe.
Die Prognose von Fairtrade Deutschland für 2025 signalisiert einen deutlichen Aufwärtstrend beim Absatz von Fairtrade-Kakao auf 99.000 Tonnen, trotz weltwirtschaftlicher Unsicherheiten und gestiegener Produktionskosten. Seit 1996 haben sich die Mengen und Marktanteile stetig erhöht, und das Fairtrade-Rohstoff-Siegel ermöglicht noch breitere Integration des fairen Kakaos. Doch parallel dazu bleibt die Herausforderung bestehen, den Lebensstandard der Kakaoproduzent*innen nachhaltig zu verbessern; hierzu setzt Fairtrade verstärkt auf Strategien für existenzsichernde Einkommen, auf Bildungsprojekte und die Förderung ökologisch verträglicher Landwirtschaft.
Zusätzliche Recherche zeigt, dass die Kakaopreise infolge globaler Lieferengpässe und klimatischer Risiken weiterhin volatil bleiben (vgl. taz, FAZ), während Schokoladenhersteller versuchen, Kostensteigerungen an Verbraucher weiterzugeben (vgl. Spiegel). Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck auf Süßwarenkonzerne, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten – die Aufmerksamkeit bei den großen Branchenmessen ist entsprechend hoch (vgl. DW, Zeit).