Hausärzte pochen auf Erhalt der telefonischen Krankschreibung

Mit Blick auf den aktuellen Umgang mit Krankheit in Deutschland warnen Hausärzte eindringlich davor, die Möglichkeit der Krankschreibung per Telefon zu kippen. Markus Beier vom Hausärzteverband verweist auf klare Daten der Kassen: Die telefonische AU sei kein Einfallstor für Missbrauch. Ein Rückschritt könnte bedeuten, dass Erkrankte wieder unnötig in volle Wartezimmer gezwungen werden.

21.01.26 00:02 Uhr | 5 mal gelesen

Die telefonische Krankschreibung sorgt laut Markus Beier nicht nur für weniger Bürokratie, sondern trägt auch dazu bei, Ansteckungsrisiken in Praxen zu senken – was gerade in Grippezeiten alles andere als unwichtig ist. Er widerspricht entschieden der Behauptung, das System lade zum Schummeln ein, und betont, dass klare Vorschriften gelten: Nur bekannte Patienten dürfen per Telefon bis zu fünf Tage krankgeschrieben werden. Auffällig sei, so Beier, dass viele Arbeitgeber die Abschaffung verlangen, obwohl sich aus den Zahlen gar kein Missbrauch ableiten lasse. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Viel wichtiger als diese „Scheindebatte“ sei aber die Frage, wie man mit langen Krankheitsphasen umgeht. Auch wenn Langzeit-Krankschreibungen nur einen kleinen Bruchteil der Fälle ausmachen, sorgen sie für den Großteil der fehlenden Arbeitstage. Für echte Verbesserungen brauche es darum ein überarbeitetes Hamburger Modell mit Verbindlichkeit für alle Firmen – nicht noch mehr Restriktionen bei den einfachen Krankschreibungen.

Im Kern dreht sich der Streit um die Frage, wie Arbeit, Gesundheit und Bürokratie austariert werden können. Die Hausärzte argumentieren entschieden gegen eine Abschaffung der telefonisch erteilten Krankschreibung, auch weil alle verfügbaren Daten der Krankenkassen keinen Anstieg beim Missbrauch aufzeigen. Der wirkliche Hebel zur Reduktion von Fehlzeiten liegt laut Experten weniger beim Erteilen von Kurz-AU’s, sondern vielmehr bei einer Reform der Wiedereingliederung langzeitkranker Beschäftigter; das sogenannte Hamburger Modell müsse verstärkt und für alle Branchen verpflichtend werden. Die Debatte läuft auch vor dem Hintergrund, dass nach aktuellen Berichten aus dem Gesundheitsausschuss immer noch Unsicherheit herrscht, wie man in Zukunft eine Balance zwischen Patientenkomfort, Praxisschutz und Arbeitgeberinteressen schaffen kann. Zusätzlich wird diskutiert, dass in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden, digitale und telefonische Krankschreibungen längst zum medizinischen Alltag gehören – dort konnte kein signifikanter Anstieg an Fehltagen oder Missbrauch festgestellt werden.

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