Im Kern dreht sich der Streit um die Frage, wie Arbeit, Gesundheit und Bürokratie austariert werden können. Die Hausärzte argumentieren entschieden gegen eine Abschaffung der telefonisch erteilten Krankschreibung, auch weil alle verfügbaren Daten der Krankenkassen keinen Anstieg beim Missbrauch aufzeigen. Der wirkliche Hebel zur Reduktion von Fehlzeiten liegt laut Experten weniger beim Erteilen von Kurz-AU’s, sondern vielmehr bei einer Reform der Wiedereingliederung langzeitkranker Beschäftigter; das sogenannte Hamburger Modell müsse verstärkt und für alle Branchen verpflichtend werden. Die Debatte läuft auch vor dem Hintergrund, dass nach aktuellen Berichten aus dem Gesundheitsausschuss immer noch Unsicherheit herrscht, wie man in Zukunft eine Balance zwischen Patientenkomfort, Praxisschutz und Arbeitgeberinteressen schaffen kann. Zusätzlich wird diskutiert, dass in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden, digitale und telefonische Krankschreibungen längst zum medizinischen Alltag gehören – dort konnte kein signifikanter Anstieg an Fehltagen oder Missbrauch festgestellt werden.