Jedes Jahr nach Karneval werden in norddeutschen Küchen die Töpfe für Hering und Matjes ausgepackt – eine jahrhundertealte Tradition, der vor allem ältere Generationen noch aus religiösen Gründen nachgehen. Aber – und das fällt mir zunehmend auf – für die meisten jüngeren Menschen bedeutet Fasten längst mehr als Enthaltsamkeit aus Pflicht. Ich beobachte immer wieder, wie vielschichtig die Motive geworden sind: Detox, digitale Diäten, neue Routinen, nachdenklichere Menüs. Julia Steinberg-Böthig vom Fisch-Informationszentrum sagt, dass ein reduzierter Fleischkonsum mit Blick auf Klima und Gesundheit absolut Sinn macht. Offenbar hat sogar die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die tägliche Fleisch-Empfehlung halbiert – Fisch bleibt aber mit ein, zwei Portionen wöchentlich auf dem grünen Zettel. Hering ist besonders spannend: Viel Omega-3, top Eiweißqualität. Traditionell eröffnet Matjes die Fastenzeit, aber heute machen ihn viele wegen seines zarten, milden Geschmacks und seiner Vielseitigkeit zum Star ganzer Gerichte.
Matjes (wer hätte gedacht, wie viele Sorten es gibt?) – von der holländischen Art mit gewissen Ansprüchen an Frische bis zur nordischen Variante, die in allerlei Marinaden und Formen kommt. Herrlich wandelbar, vom klassischen Matjes mit Bratkartoffeln bis hin zu modernen Matjes-Burgern oder – und das hat mich tatsächlich überrascht – Frühlingsrollen. Und der normale Hering? Geht auch als Salat mit Roter Bete, als Bowl mit Avocado, als Tortillafüllung … ziemlich vielseitig, gell? Fischsommelier Steffen Euler betont, wie einfach es ist, Gerichte aus Hering neu zu denken – ein bisschen Mut, und schon machen alte Klassiker Platz für frische Ideen.
Und aus Umweltsicht? Ein echtes Argument: Der CO2-Fußabdruck von Hering fällt im Vergleich zu Rind (und selbst zu manchen anderen tierischen Produkten) fast schon lächerlich klein aus. Wer also in der Fastenzeit – oder grundsätzlich – öfter Fisch statt Fleisch auf seinen Teller holt, leistet einen Beitrag zu Klimaschutz und ausgewogener Ernährung. Meine Meinung: Es lohnt sich auszuprobieren, wie überraschend vielseitig dieses „Alltagskost“-Tier schmecken kann.
Hering erlebt zur Fastenzeit eine bemerkenswerte Renaissance, wobei traditionelle Speisen mit modernen Ernährungstrends und Nachhaltigkeitsbewusstsein verschmelzen. Besonders bemerkenswert ist, dass jüngere Generationen das Fasten flexibler und vielfältiger interpretieren: Gesundheit, ökologischer Fußabdruck und individuelle Genussmomente stehen dabei im Vordergrund. Laufende Recherchen belegen: Experten wie Julia Steinberg-Böthig empfehlen Hering und Matjes wegen ihrer Nährstoffdichte, ihres niedrigen CO2-Ausstoßes und der abwechslungsreichen Zubereitungsmöglichkeiten als moderne Alternativen zu Fleisch. Ergänzend dazu bestätigt die FAO (Food and Agriculture Organization), dass nachhaltiger Fischfang – zum Beispiel beim Hering in Nord- und Ostsee – für ein umweltfreundliches Nahrungsangebot sorgt. Gleichzeitig warnt die Verbraucherzentrale, beim Kauf auf Siegel wie MSC zu achten, um Überfischung zu vermeiden. Der deutsche Einzelhandel meldet einen deutlichen Anstieg beim Absatz von Fischprodukten während der Fastenzeit, insbesondere in urbanen Regionen und bei Familien mittleren Alters.