Es ist ein bisschen wie auf rohen Eiern gehen: Der Gesundheits- und Life-Sciences-Bereich steckt weltweit in der Zwickmühle. Die Nachfrage nach medizinischer Betreuung explodiert, befeuert von einer alternden Bevölkerung und wachsendem Gesundheitsbewusstsein. Doch gleichzeitig werden gut ausgebildete Fachkräfte zur Mangelware – und das ausgerechnet in Berufen, in denen man eben nicht mal eben einen Algorithmus einsetzen kann. Laut dem aktuellen Ausblick "World of Work Outlook 2026" der ManpowerGroup ringen mehr als drei Viertel der Branchen-Unternehmen weltweit um qualifiziertes Personal. Besonders prekär ist die Lage in Pflegeberufen sowie bei Spezialist*innen und Tech-Profis. Überraschend ist, dass bisher nur knapp ein Fünftel der Firmen KI wirklich umfassend im Recruiting und Onboarding nutzt. Dabei würde die smarte Technik nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern vielleicht auch manch nervenaufreibende Suche nach neuen Kolleg*innen etwas entspannen.
So ganz ohne Menschen geht es aber nicht – und das habe ich, ehrlich gesagt, am meisten verstanden: KI kann Diagnosen beschleunigen, Ablaufpläne erstellen, Forschung voranbringen. Trotzdem, und hier ist man sich in der Branche wohl einig, bleiben Fähigkeiten wie Mitgefühl, Kommunikation oder schlicht gesunder Menschenverstand unersetzlich. Die große Kunst liegt jetzt darin, beides ins Gleichgewicht zu bringen: technische Innovation vorantreiben – und trotzdem die zwischenmenschlichen Aspekte stärken.
Kosten- und Innovationsdruck schnüren die Luft ab. Überall droht der berühmte „Patent Cliff“, wenn Resistenzen und auslaufende Patente in der Pharmaindustrie die Gewinne schmälern. Viele Unternehmen setzen eher auf Kostendisziplin und warten ab, was die Lage weiter verschärft. Der Report empfiehlt stattdessen: kluge Personalentwicklung, gezielte Weiterbildung, internationale Talentsuche und smarte Nutzung externer Kräfte. Klingt für mich plausibel – aber natürlich ist das leichter gefordert als umgesetzt.
Wer sich den vollen Report anschauen möchte, kann das online auf der Homepage von ManpowerGroup tun. Ich frage mich manchmal, ob solche Studien tatsächlich von den Entscheider*innen gelesen werden – oder ob sie am Ende doch nur in der langen Liste der To-Dos verschwinden.
Im Kern stellt der ManpowerGroup-Report fest, dass der Gesundheits- und Life-Sciences-Sektor international in einem Dilemma steckt: Einerseits wächst die Nachfrage nach Versorgung, andererseits fehlen verstärkt ausgebildete Fachkräfte. Der intelligente Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte Aufgaben wie Diagnostik, Forschung oder Prozesssteuerung zwar deutlich vereinfachen, doch längst nicht alles lässt sich automatisieren – menschliche Kompetenzen wie Empathie und Kommunikation bleiben unverzichtbar. Neuere Berichte und presseseitige Analysen zeigen, dass Unternehmen zunehmend gezwungen sind, neue Recruiting-Wege zu gehen, etwa mit globaler Talentsuche, gezieltem Upskilling oder enger Zusammenarbeit mit Technologieanbietern.
Laut einer aktuellen Analyse der FAZ verstärkt sich der Druck auf Krankenhäuser und Pharmaunternehmen weiter, während progressive Anbieter bereits KI-Einsatz im Klinikalltag testen, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Zeitgleich berichtet Die Zeit, dass viele Mitarbeitende KI nach wie vor skeptisch gegenüberstehen – besonders weil ethische und arbeitsrechtliche Fragen noch weitgehend ungeklärt wirken. Die Süddeutsche weist zudem darauf hin, dass auch geopolitische Unsicherheiten und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen die ohnehin angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich erschweren.