Stockholm, ein Montag im Oktober: Die Schwedische Akademie der Wissenschaften verkündet, dass der sogenannte Wirtschaftsnobelpreis – der eigentlich gar kein „echter“ Nobelpreis ist, sondern ein etwas später erdachtes Pendant – in diesem Jahr an einen transatlantischen Dreiklang geht. Joel Mokyr, US-amerikanischer Historiker mit feinsinnigem Blick für die Vergangenheit wirtschaftlicher Veränderungen, erhält die Hälfte des Preises für seine bahnbrechenden Analysen darüber, welche Bedingungen technologische Entwicklung und damit nachhaltiges Wachstum befeuern. Die andere Hälfte teilen sich Philippe Aghion und Peter Howitt – beide hochkarätige Theoretiker mit einer Schwäche für die Dynamik des Wandels. Ihr Ansatz der ‚kreativen Zerstörung‘, also das Ersetzen des Alten durch das Neue, wirkt erst einmal destruktiv, ist aber – so ihre These – letztlich der Motor für Innovation und wohlstandsförderndes Wachstum.
Natürlich hat der Wirtschaftsnobelpreis, der 1968 zum 300. Jubiläum der schwedischen Reichsbank ins Leben gerufen wurde, stets einen leicht anderen Beigeschmack als die klassischen Preise für Literatur, Chemie oder Medizin. Ein Interrupt sozusagen, der aber aus der heutigen Nobel-Feierwelt kaum mehr wegzudenken ist. Und: Mit elf Millionen Kronen, was umgerechnet fast eine Million Euro entspricht, ist er keineswegs eine Ehrung fürs Schaufenster – sondern zugleich ein Signal an die globale Forscherlandschaft: Forscht weiter, denkt größer. Apropos, witzig eigentlich – Alfred Nobel selbst hatte mit Wirtschaftswissenschaften wenig am Hut. Vielleicht hätte ihn das Nobelpreis-Add-on heute trotzdem begeistert… oder überrascht, wer weiß.
Die diesjährigen Preisträger Mokyr, Aghion und Howitt werfen ein neues Licht darauf, wie wirtschaftlicher Fortschritt und permanenter Wandel zusammenhängen. Während Mokyr die historischen Voraussetzungen für nachhaltige technologische Erneuerung hervorhebt, geht das Duo Aghion-Howitt systematisch der Frage nach, wie Innovationen durch Veränderung und Erneuerung (‚kreative Zerstörung‘) entstehen. Ihr prägender Ansatz weist auch mit Blick auf aktuelle Debatten – etwa zum digitalen Wandel oder zur Klimawende – auf die immense Bedeutung von Innovationskraft für die Zukunftsfähigkeit moderner Volkswirtschaften hin. Nach Recherchen anderer Medien wurde in den letzten Tagen betont, dass diese Forschung auch politische Sprengkraft besitzt (etwa in Hinblick auf Ungleichheiten oder gesellschaftliche Spaltung durch technologische Entwicklung) und für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen wie Künstlicher Intelligenz oder globalen Wirtschaftsverwerfungen wegweisend sein könnte. Aus Interviews wird außerdem deutlich, dass die Preisträger sich selbst keineswegs einig sind beim Blick auf staatliche Eingriffe vs. Marktkräfte zur Förderung von Innovation – und dass Aghion und Howitt die Bedeutung von Bildungs- und Forschungspolitik immer wieder hervorheben.