Was ärgert mehr: Ein Fußballtrikot für Kinder, das fast so viel kostet wie ein halber Monat Taschengeld – oder Politiker, die jetzt laut werden? Tobias Röschl, einer der Jako-Vorstände, winkte im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe kühl ab: "Wenn Kunden zahlen, ist der Preis vertretbar." Es gehe schließlich nicht nur ums reine Geschäft – der Gewinn werde unter Herstellern, Vereinen und Händlern aufgeteilt. Paradoxerweise sei der deutsche Trikotpreis sogar noch etwas höher als der des WM-Teilnehmers Irak: 100 Euro versus 85. Und ganz nebenbei, so Röschl, fließt ein Teil des Geldes auch in den Kinder- und Jugendfußball. Klingt ja erstmal sinnvoll, trotzdem sorgt das Thema seit Tagen für hitzige Debatten. CSU-Politiker Stephan Mayer zum Beispiel, der fordert, Kindertrikots für Familien erschwinglich zu machen. Doch Jako kontert das: Niedrige Preise seien kein politisches Thema; Röschl fordert eher, den Handel gegen Billiganbieter wie Temu oder Shein zu stärken. Dass Trikots in Asien gefertigt werden, hält er dagegen für logisch: Der „made in Germany“-Traum sei illusorisch, sagt er, es würde nichts billiger machen. Interessant: Während viele Händler gerade zu kämpfen haben, berichtet Jako vom Umsatzrekord – über 200 Millionen Euro zuletzt. Inzwischen sei das Wachstum zwar weniger steil. Vielleicht, weil Jako im Teamsport-Segment kaum noch Konkurrenz sieht und nun auch Arbeitsklamotten für Unternehmen auf den Plan setzt – produziert werden Fußballschuhe übrigens in Portugal. Jako aus Mulfingen, 1989 gegründet, bleibt aus Sicht vieler Amateurvereine dennoch das Synonym für Teamsport.
Jako bleibt hart: Trotz der politischen Forderungen nach günstigeren Trikots für Kinder hält der Sportartikelhersteller an seiner Preisstrategie fest. CEO Röschl betont die komplexe Wertschöpfungskette – an den Einnahmen verdienen Hersteller, Händler und Fußballverbände, wobei letztere wichtige Förderarbeit im Nachwuchsbereich leisten. Die Angriffe auf die Preisgestaltung kontert Röschl mit dem Hinweis auf die Herausforderungen des stationären Handels und die Überlegenheit eingespielter asiatischer Produktionsketten. Laut aktuellen Medienberichten profitieren im Vergleich etwa Adidas und Nike durch Werbewirkung und globale Präsenz, doch geraten durch Online-Plattformen wie Temu auch sie unter Preisdruck. Ein Blick in die aktuellen Nachrichten (Stand: Juni 2024) zeigt: In mehreren großen Zeitungen diskutieren Experten nicht nur über Trikotpreise, sondern auch über generelle Konsumzurückhaltung im Sportfachhandel, den Strukturwandel im Textilsektor sowie politische Debatten um gerechte Preise für Familien. Das Thema trifft also einen Nerv – vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Debatten um Chancengleichheit im Breitensport.