Es gibt Momente, in denen man sich fragt, wie jemand überhaupt auf seinem Posten gelandet ist – und ob das alles noch richtig ist. Laut aktueller Umfrage von Forsa im Auftrag von RTL und Stern meinen tatsächlich 75 Prozent der Befragten, dass Katherina Reiche die falsche Besetzung als Wirtschaftsministerin ist. Nur 15 Prozent können sich mit ihrer Arbeit anfreunden; der Rest (10 Prozent) weiß offenbar nicht so recht, wo er steht. Interessant ist, wie wenig die Herkunft eine Rolle spielt – Westdeutsche (75%) und Ostdeutsche (77%) sind sich in ihrer Skepsis fast einig. Erstaunlicherweise ist auch die CDU/CSU-Basis, aus der Reiche ursprünglich kommt, kaum gnädiger: Zwei Drittel ihrer eigenen Anhänger glauben nicht, dass sie die anstehenden ökonomischen Herausforderungen meistern kann. Noch schärfer fällt das Urteil der SPD-Anhänger aus, von denen 70 Prozent enttäuscht sind. Wirklich heftig wird es bei den Selbstständigen: 82 Prozent finden Reiche ungeeignet, fast gleichauf mit Unterstützern der Grünen und Linken (je 85%). Bei den AfD-Wählern sind es immerhin 81 Prozent, die Reiche ablehnen. Befragt wurden insgesamt 1.008 Menschen aus ganz Deutschland – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Wirtschaftspolitik besonders unter Beobachtung steht. Ich frage mich, wie man bei solchen Werten eigentlich noch im Amt bleibt – oder ob das einfach eine Selbsterhaltungseigenschaft der Politik ist.
Die Umfrage lässt wenig Zweifel: Die Mehrheit der Deutschen hält Katherina Reiche für fehl am Platz an der Spitze des Wirtschaftsministeriums. Dieses Stimmungsbild zieht sich quer durch sämtliche politischen Lager, sogar aus ihrer eigenen Partei. In den letzten Tagen wurde in den Medien auch über eine aktuelle Debatte bezüglich Reiches Umgang mit der Energiekrise berichtet. Laut Süddeutscher Zeitung stößt insbesondere ihr zögerliches Agieren im Hinblick auf Energiewende und Industriepolitik auf massives Unverständnis. Ergänzend dazu äußerten mehrere Wirtschaftsverbände – so berichtete die FAZ – verstärkte Zweifel an ihrer Führungskompetenz, nicht zuletzt wegen mangelnder Transparenz bei Förderprogrammen und langwierigen Entscheidungsprozessen.