Jerry Lewis und Das Ungesehene – Die Geschichte hinter „The Day The Clown Cried“

Ein Dokumentarfilm tastet sich an das wohl risikoreichste und kontroverseste Projekt von Jerry Lewis heran: Seine nie veröffentlichte Holocaust-Komödie birgt Geschichten von Vision, Scheitern und dem langen Ringen um einen angemessenen Umgang mit der Katastrophe – nun erstmalig im SWR zu entdecken.

heute 11:28 Uhr | 3 mal gelesen

Stell dir vor: Ein global gefeierter Komiker wagt sich an ein Thema, an dem sich bis heute viele Filmschaffende die Zähne ausbeißen – den Holocaust. Jerry Lewis, bekannt für sein schräges Talent und mutige Experimente, stellte sich Anfang der 1970er tatsächlich dieser Herausforderung. Er schrieb, inszenierte und spielte selber die Hauptrolle: Ein Clown, der mitten im Konzentrationslager versucht, Kinder zu retten. Doch noch bevor der Film „The Day The Clown Cried“ in irgendeinem Kino laufen konnte, wurde er gestoppt. Gründe gab es wohl genug – Streit um Rechte, Zweifel an der Tonalität, und am Ende der Rückzug des Stars selbst. Was blieb, war ein Rätsel: Warum zog Lewis den Film zurück und gab ihn nie frei? Der Dokumentarfilm „Jerry Lewis. From Darkness To Light“, der jetzt im SWR seine Fernsehpremiere feiert, tastet sich an dieses Dunkelfeld heran. Zum ersten Mal werden restaurierte Ausschnitte und die Stimmen von Zeitzeugen sowie Wegbegleitern wie Mel Brooks oder Sarah Silverman miteinander verwoben. Auch Jerry Lewis selbst kommt zu Wort – ehrlich, müde, manchmal widersprüchlich. Michael Lurie, der Regisseur, verschränkt True-Crime-Elemente mit Archivmaterial und Interviews und schafft eine intensive Annäherung an künstlerisches Risiko, Scheitern und Fragen jenseits von Schwarz und Weiß. Bemerkenswert: Das Material lag über vierzig Jahre ungesehen in Archiven, bevor es 2015 – nach einer von Lewis verfügten Sperrfrist – allmählich öffentlich zugänglich wurde. Am 25. Januar 2026 läuft der Film um 22:45 Uhr im SWR; abrufbar ist er zudem in der ARD-Mediathek. Übrigens – und das spricht sehr für die Tragweite des Ganzen: Die Ausstrahlung findet rund um den Holocaust-Gedenktag statt – ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit und Sprengkraft jenes künstlerischen Experiments.

Jerry Lewis’ tragisch-verhinderter Film "The Day The Clown Cried" steht immer noch als Mahnmal für die Grenzen und Möglichkeiten von Kunst im Angesicht des Grauens. Der neue Dokumentarfilm „From Darkness To Light“ setzt sich erstmals ausführlich mit Jerry Lewis’ gescheitertem Versuch auseinander, Humor und Trauma des Holocausts miteinander zu verweben und macht bisher unbekanntes Material zugänglich. Bisherige Ergänzungen aus aktuellen Berichten: Seit der Premiere des Dokumentarfilms in Venedig im September 2024 wird das Thema international wieder breit diskutiert – vielfach wird gefragt, warum es so lange dauerte, das Filmmaterial wirklich sichtbar zu machen. Im jüdischen Filmdiskurs wird die Frage nach der ethischen Zumutbarkeit und der Notwendigkeit solcher Projekte neu verhandelt. Intern wird außerdem darüber berichtet, dass ähnliche Projekte mit Comedy und Holocaust, etwa Roberto Benignis „Life Is Beautiful“, inzwischen anders aufgenommen werden – Lewis’ unvollendeter Film bleibt jedoch einzigartig in seiner Geschichte, dem Ausmaß des Scheiterns und der mythischen Aura, die ihn seit 50 Jahren umgibt.

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