Dienstleistungsjobs: Der Spagat zwischen Dauerstress und Privatleben

Wer im Dienstleistungssektor arbeitet, kennt das – krank zur Arbeit, Schichtdienst, Termindruck. Das Leben der Beschäftigten ist bestimmt von Hektik und ständiger Verfügbarkeit. Das unterstreicht einmal mehr eine aktuelle Verdi-Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit.

heute 11:46 Uhr | 2 mal gelesen

Noch immer scheint Dauerstress in der Dienstleistungsbranche so normal wie der Morgenkaffee zu sein. Der Großteil muss ran, wenn andere frei haben: Schichtdienste, Wochenendarbeit, abends – drei von vier arbeiten außerhalb der klassischen Bürozeiten. Dazu kommt der ständige Druck: Über die Hälfte hetzt durch den Joballtag und ein Großteil schleppt sich sogar krank ins Team, weil Ausfallen oft gar kein Thema ist. Kurioserweise geraten vor allem diejenigen, die eigentlich Erholung bräuchten – Beschäftigte im Handel, im Gesundheits- oder Sozialbereich – in die Spirale, dass nach Feierabend kaum noch Kraft für Familie oder Freizeit bleibt. Teilzeit? Es klingt nett, aber ist meist weniger Wahl als Not: Vor allem Frauen stemmen neben dem Brotjob noch die Sorge fürs Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen. Wer mehr Einfluss auf eigene Arbeitszeiten hat, schneidet wohl auch beim persönlichen Gleichgewicht besser ab – ein Luxus, den leider nur wenige genießen. Verdi sieht hier Handlungsbedarf und pocht auf klare Kollektiv-Regeln, damit der Alltag nicht auf Dauer zur Belastungsprobe wird. Es bleibt die Frage: Muss Arbeit sich nicht stärker den Menschen anpassen – und nicht umgekehrt?

Aktuelle Daten zeigen, dass die Arbeitsbelastung im Dienstleistungssektor konstant auf hohem Niveau bleibt. Vor allem flexible Arbeitszeiten, häufige Überstunden und der Zwang, trotz Krankheit zu erscheinen, prägen den Alltag vieler Beschäftigter; Frauen sind besonders stark belastet, da sie häufiger familiäre Sorgearbeit übernehmen und öfter in Teilzeit arbeiten. Verschiedene aktuelle Berichte verweisen darauf, dass Initiativen wie das Recht auf Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten allein nicht ausreichen, solange die Personalausstattung und die Wertschätzung für Dienstleistungsarbeit nicht verbessert werden (taz, Zeit, Süddeutsche). Zudem fordern Gewerkschaften wie Verdi eine gezielte Stärkung der kollektiven Rechte, um den Beschäftigten mehr Mitspracherecht bei der Arbeitszeitgestaltung und bessere Schutzmechanismen zu ermöglichen.

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