Kindern im Sudan droht bitterer Absturz – SOS-Kinderdörfer schlagen Alarm für 2026

Khartum. Die SOS-Kinderdörfer haben eine dringende Warnung herausgegeben: Die Lage sudanesischer Kinder könnte sich bis 2026 weiter katastrophal zuspitzen. Schon jetzt reiht der Sudan sich ganz oben in die Liste der schlimmsten menschlichen Krisen ein. Gewalt, Flucht und Hunger greifen um sich – vor allem die Jüngsten bezahlen dafür den höchsten Preis.

heute 10:05 Uhr | 3 mal gelesen

Seit mittlerweile bald drei Jahren tobt im Sudan ein grausamer Machtkampf zwischen der regulären Armee unter General Abdel Fattah al-Burhan und den paramilitärischen Kräften von Mohamed Hamdan Dagalo (auch als Hemeti bekannt). Was innenpolitisch wie ein Drama klingt, bedeutet für viele Menschen schlicht das blanke Überleben: Staatliche Unterstützung gibt es praktisch nicht mehr; ganze Städte und Landstriche werden kaum noch mit dem Nötigsten versorgt. Vor Ort erkennen Helfende einen Alltag, der geprägt ist von Angst, Entbehrung - und einer lähmenden Ungewissheit. Besonders dramatisch: Für Millionen Kinder im Sudan ist die Aussicht auf eine unversehrte Kindheit nahezu verschwunden. Jahrelanger Hunger und Gewalt – das sind keine abstrakten Begriffe, sondern Erfahrungen, die sich in Körpern und Seelen eingraben, oft mit Narben für das ganze weitere Leben. Die Schule ist für viele nur noch Erinnerung, oft sind die Gebäude zerstört oder der Zugang versperrt, und selbst elementarste Dinge wie sauberes Wasser oder medizinische Betreuung fehlen. Limia Ahmed, die für die SOS-Kinderdörfer mitverantwortlich ist, spricht davon, dass die Kinder in dieser Situation schlichtweg um ihre Zukunft betrogen werden – teils unwiederbringlich. Die Arbeit der SOS-Kinderdörfer wird dadurch mehr denn je zur Gratwanderung. Trotz aller Rückschläge versuchen sie, Kindern zumindest einen sicheren Ort, Nahrung und etwas Alltag zu ermöglichen. Sie versorgen Familien mit Lebensmitteln, bieten Schutzräume, sorgen für Bildung und versuchen, jedwede weitere Familientrennung zu verhindern. Dennoch warnen die Verantwortlichen: Solange es keinen echten Zugang für humanitäre Hilfe und keinen Waffenstillstand gibt, bleibt alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Breyer von den SOS-Kinderdörfern fasst es so zusammen: Was den Kindern fehle, sei nicht Mut oder Widerstandskraft, sondern schlicht die Chance, wieder Hoffnung und echte Unterstützung zu bekommen. Jede Verzögerung bedeutet, dass noch mehr Zukunft auf dem Spiel steht.

Die Situation im Sudan ist durch den anhaltenden Konflikt zwischen Armee und RSF völlig aus dem Ruder gelaufen: Über 15 Millionen Menschen sind bereits aus ihrer Heimat geflüchtet, beinahe 150.000 haben laut Schätzungen ihr Leben verloren. Besonders tragisch trifft es Kinder: Sie leiden nicht nur unter akuter Mangelernährung und fehlender medizinischer Versorgung, sondern wachsen auch ohne Bildung und Sicherheit auf – meist geprägt von tiefen Traumata. Laut internationalen Analysten und Organisationen wie den SOS-Kinderdörfern droht ohne einen baldigen Waffenstillstand und internationale Unterstützung eine „verlorene Generation“ und eine weitere dramatische Verschärfung der humanitären Katastrophe im Jahr 2026, wobei Hunger und Perspektivlosigkeit Alltag sind. Aktuelle Recherchen vieler Hilfsorganisationen zeigen zudem, dass sich die humanitäre Lage im Sudan gerade weiter zuspitzt: Inzwischen warnen UN und zahlreiche NGOs, dass die Region Darfur erneut Schauplatz gezielter Angriffe geworden ist und die humanitäre Versorgung wegen andauernder Kämpfe vielerorts zusammengebrochen ist. Laut Berichten der Deutschen Welle haben sich die Kämpfe auf neue Landesteile ausgeweitet, weswegen immer mehr Menschen in kaum organisierte Flüchtlingslager fliehen. Deutsche Medien machen zudem auf die Gefahr aufmerksam, dass angesichts anderer globaler Krisen das Leid der sudanesischen Bevölkerung zunehmend in den Hintergrund rückt.

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