Ein Déjà-vu der besonderen Art: Großer Vorsprung, ja, aber Durchregieren? Fehlanzeige. Albin Kurti und seine Bewegung Vetevendosje sichern sich – nach fast vollständiger Auszählung der Stimmen – knapp 43 Prozent und damit erneut den Löwenanteil. Die Werte sind trotzdem ein spürbarer Dämpfer verglichen mit den über 50 Prozent im letzten Dezember. Die hartnäckigen Herausforderer PDK (etwa 21 Prozent) und LDK (knapp 18 Prozent) bleiben stabil präsent und legen Kurti weiterhin Steine in den Weg. Dass diese Wahl überhaupt stattfand, ist schon eine bittere Pointe: Nach drei Wahlen binnen anderthalb Jahren dreht sich das politische Karussell im Kosovo weiter, weil es keinen belastbaren Modus zur Wahl eines neuen Präsidenten gibt – nicht selten waren einfach zu wenige Abgeordnete im Parlament, weil die Opposition sich kollektiv fernhielt. Das politische Tauziehen könnte sich daher weiterziehen: Die nötigen 80 Stimmen für einen neuen Präsidenten sind weiterhin nicht in Sicht und ausgerechnet an den ethnischen Minderheiten muss Kurti versuchen, sein Bündnis zu erneuern. Ein Happy End für die Regierungschefin – pardon, den Regierungschef – ist nicht garantiert.
Obwohl Vetevendosje erneut die meisten Stimmen bei der Parlamentswahl in Kosovo gesammelt hat, ist eine Regierungsbildung aus eigener Kraft in weite Ferne gerückt. Das politische System ist durch den andauernden Streit über die Präsidentschaft gelähmt, und Kurti muss nun versuchen, durch neue Koalitionen oder unangenehme Kompromisse eine stabile Mehrheit zu organisieren. Aktuelle Berichte zeigen, dass die politische Situation im Kosovo durch großes Misstrauen zwischen Regierung und Opposition, wiederholte demokratische Blockaden und massive Erwartungen an dringend notwendige Reformen geprägt ist. In den letzten 48 Stunden berichten zahlreiche deutschsprachige Medien von wachsenden internationalen Sorgen um den politischen Stillstand im Land und warnen vor einer möglichen weiteren Destabilisierung, falls es abermals zu Neuwahlen kommen sollte. Beobachter verweisen außerdem darauf, dass die Wirtschaftskrise im Kosovo, verstärkt durch Arbeitslosigkeit und Abwanderung, die innenpolitische Lage zunehmend verschärft, und nur ein klarer politischer Kurs die Aussicht auf EU-Annäherung offenhalten könnte.