Karl-Josef Laumann bringt es ziemlich direkt auf den Punkt: Die soziale Pflegeversicherung mag zwar lange funktioniert haben, aber ihr Konzept passt nicht mehr zu den heutigen Herausforderungen. Reform klingt schön – doch Laumann spricht von einem richtigen Systemwechsel, nicht nur von ein paar kleinen Korrekturen hier und da. Besonders pikant dabei: Die Kriterien für die Pflegegrade sollen angepasst werden. Es soll weiterhin fünf geben, aber mit geschärften Anforderungen. So will er offensichtlichen Fehlanreizen vorbeugen. Überhaupt steht für ihn mehr Prävention auf dem Plan – lieber verhindern, dass Menschen pflegebedürftig werden, als hinterher versuchen, alles auszugleichen.
Interessant ist auch, worauf Laumann alles nicht eingehen will. Die SPD etwa möchte die privaten Eigenanteile für Heimkosten deckeln. Laumann kontert nüchtern: Die Pflegeversicherung ist für Pflegekosten da – Essen und Wohnen zahlt letztlich jeder, ob mit Pflegebedarf oder ohne. Und sozialer wird es durch eine Deckelung seiner Meinung nach nicht, weil dann alle über höhere Sozialbeiträge oder Steuern zahlen, selbst jene, die eigentlich keine Unterstützung brauchen.
Statistisch gesehen schaffen es viele ohnehin, die Heimkosten eigenständig zu stemmen, so Laumann weiter. Nur ein Drittel der Heimbewohner bekommt Unterstützung vom Staat, der Rest finanziert sich über Rente und Rücklagen. Ist das nun beruhigend oder eher beunruhigend? Die Debatte bleibt jedenfalls offen – die Richtung, in die Laumann denkt, stellt jedenfalls einige als selbstverständlich wahrgenommene Grundsätze in Frage.
Laumann diagnostiziert der Pflegeversicherung Anpassungsbedarf und plädiert für einen Schwenk beim Umgang mit Pflegegraden – und das nicht erst morgen oder übermorgen, sondern so bald wie möglich. Über die Frage der Kostenbeteiligung im Heim spricht er offen, ohne falsche Versprechen zu machen: Mehr Staat hier bedeute auch mehr Belastung für alle. Das Thema Pflegereform ist weiterhin hochaktuell, zumal der demographische Wandel das System zunehmend unter Druck setzt. Aktuelle Berichte aus der Presse unterstreichen, dass eine langfristig tragfähige Lösung komplex ist: Während die Pflegeheimkosten steigen, gibt es parallel Diskussionen über verbesserte Arbeitsbedingungen, Personalschlüssel und die finanziellen Belastungen für Angehörige. Neueste Initiativen aus der Politik fordern zudem eine bundesweite Pflegevollversicherung und setzen stärker auf digitale Hilfen und Innovationen, um den Druck auf Pflegepersonal und Familien zu lindern. Letztlich bleibt die Grundfrage: Wer bezahlt zukünftig die immer teurere Versorgung und wie kann solidarisch, aber auch fair verfahren werden?