Linnemann sieht Merz als Stehaufmann der CDU – Gene als Erfolgsfaktor?

Carsten Linnemann glaubt, Friedrich Merz habe dank familiärer Langlebigkeit beste Chancen auf eine ausgedehnte politische Laufbahn.

heute 00:04 Uhr | 6 mal gelesen

Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, ist sich ziemlich sicher: Friedrich Merz wird der Partei noch eine ganze Weile erhalten bleiben. "Er erwähnt es ja selbst gern, dass sein Vater über 100 geworden ist und die Mutter offenbar auch kein Kind von Traurigkeit war, was das Alter angeht", sagte Linnemann gegenüber dem 'Stern'. Menschen, so scheint es, schreiben manchmal dem Erbgut beinahe magische Fähigkeiten zu – besonders, wenn es um Spitzenpositionen geht. Merz ist inzwischen 70 Jahre alt und will sich auf dem CDU-Parteitag diese Woche erneut zur Wahl stellen. Was die Kanzlerfrage angeht, findet Linnemann, das Thema sei noch weit weg: "Ich nehme an, aber Hand aufs Herz: 2026 – da reden wir nochmal drüber." Und im Trubel um mögliche Konkurrenten? Linnemann bleibt gelassen und fast schon freundlich: "Wenn Markus Söder am Tisch sitzt, geht's locker zu. Politik braucht so eine gewisse Leichtfüßigkeit." Und ehrlich gesagt, so ein bisschen unerwartete Heiterkeit schadet einem Politikbetrieb, der sonst oft bierernst daherkommt, nun wirklich nicht.

Linnemann stellt über die politische Zukunft von Friedrich Merz eine kühne Prognose auf: Dank bemerkenswerter Langlebigkeit in der Familie könne Merz der CDU noch viele Jahre dienen – vielleicht ein wenig augenzwinkernd. Die Kandidatur von Merz zum Parteivorsitz wirkt angesichts der aktuellen Lage wenig überraschend; die Debatte um die Kanzlerkandidatur hingegen hält Linnemann explizit für verfrüht. Auffällig bleibt daneben Linnemanns Ablehnung unnötigen Konkurrenzdenkens – Markus Söder wird von ihm als belebendes Element für die Parteiarbeit hervorgehoben. Tatsächlich ist die Debatte um die künftige Kanzlerkandidatur in der CDU zum jetzigen Zeitpunkt innenpolitisch hochsensibel. Friedrich Merz gilt als profilierter, polarisierender, aber auch erfahrener Akteur, der sich in Umfragen und parteiinternen Meinungsbildern weiterhin postuliert. Die Frage nach Generationenwechseln, biologischer Belastbarkeit und mentaler Frische wird medial oft zugespitzt – und doch dürfte das tatsächliche Konfliktpotenzial wesentlich komplexer sein. Politische Beobachter verweisen vermehrt auf die Notwendigkeit, die CDU als Volkspartei inhaltlich zu erneuern und junge Menschen stärker einzubinden, um gegen politische Mitbewerber wie Grüne oder AfD zu bestehen. Manche Stimmen sehen das 'Gene'-Argument eher als rhetorischen Kniff denn als eine solide Langzeitstrategie.

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