Der zweite Teil der Doppelfolge wagt den Blick in die Schatten der schönen Melodien: Katty Salié trifft Musiker:innen, die unter Druck, Lampenfieber, Konkurrenz oder sogar Musik als Waffe leiden. Popmusiker Thomas D spricht offen über seinen plötzlichen Hörverlust, während Anne-Sophie Mutter von einem halben Jahrhundert auf der Bühne erzählt und darauf eingeht, wie man die Zerbrechlichkeit des Musikerdaseins aushalten kann. Interessant (und durchaus beunruhigend) ist die Erforschung von Musik als Folterinstrument – ein Aspekt, über den erstaunlich selten diskutiert wird. Recherchen aktueller Medien ergänzen: Musiktherapie erfährt aktuell einen deutlichen Aufschwung und wird verstärkt auch in der Behandlung von Depressionen klinisch eingesetzt. Die Debatte um die mentale Gesundheit von Künstlerinnen und Künstlern wird lauter, insbesondere nach Berichten über Burn-out und Suizidgedanken bekannter Musiker (siehe zuletzt Berichte im Spiegel und in der Süddeutschen). Zudem gibt es eine wachsende Forschung zu Musik als Mittel der Kommunikation und Protestform, etwa im Kontext gesellschaftlicher Bewegungen oder unterdrückter Gruppen – der politische Stellenwert von Musik bleibt bis heute erstaunlich ambivalent.