Musik: Zwischen Lebenselixier und Schattenseiten – ZDF-„aspekte“ mit Fokus auf die Kraft von Tönen

Mal erhebt sie uns, mal berührt sie ganz tief – Musik ist nicht bloß Geräusch, sondern eine Kraft, die uns durchs Leben trägt oder auch schwer belasten kann. Die ZDF-Kultursendung „aspekte“ nimmt sich dem facettenreichen Thema in einer zweiteiligen Reihe an: Am 10. und 17. April 2026 stehen sowohl die heilenden als auch bedrohlichen Aspekte von Musik im Fokus. Zu sehen sind beide Ausgaben jeweils ab 10 Uhr im Streaming des ZDF sowie traditionsgemäß spätabends im linearen TV.

heute 15:00 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal frage ich mich – ist Musik wirklich Medizin oder einfach nur ein gutes Pflaster für brüchige Momente? In der ersten Folge taucht 'aspekte' mit Salwa Houmsi mitten in eine Welt voller Töne, Rhythmen und Gefühle ein: Mitsing-Events, begeisterte Musikerinnen, Forschende, die dem Glück auf den Grund gehen. Am Keyboard demonstriert Dr. Pop alias Markus Henrik, warum uns schon drei Takte Gänsehaut machen können, während Grammy-Gewinner Thundercat und Künstlerin Verifiziert sehr ehrlich davon erzählen, wie Musik ihnen durch die Unwägbarkeiten des Lebens hilft – oder sie gar rettet. Im Berliner Max-Planck-Institut wiederum zeigt ein Selbsttest eindrucksvoll, was Musik im Innersten unserer Körper anstellt, fast wie ein Grashalm, der durch Asphalt dringt. Aber es bleibt nicht nur hell.

Der zweite Teil der Doppelfolge wagt den Blick in die Schatten der schönen Melodien: Katty Salié trifft Musiker:innen, die unter Druck, Lampenfieber, Konkurrenz oder sogar Musik als Waffe leiden. Popmusiker Thomas D spricht offen über seinen plötzlichen Hörverlust, während Anne-Sophie Mutter von einem halben Jahrhundert auf der Bühne erzählt und darauf eingeht, wie man die Zerbrechlichkeit des Musikerdaseins aushalten kann. Interessant (und durchaus beunruhigend) ist die Erforschung von Musik als Folterinstrument – ein Aspekt, über den erstaunlich selten diskutiert wird. Recherchen aktueller Medien ergänzen: Musiktherapie erfährt aktuell einen deutlichen Aufschwung und wird verstärkt auch in der Behandlung von Depressionen klinisch eingesetzt. Die Debatte um die mentale Gesundheit von Künstlerinnen und Künstlern wird lauter, insbesondere nach Berichten über Burn-out und Suizidgedanken bekannter Musiker (siehe zuletzt Berichte im Spiegel und in der Süddeutschen). Zudem gibt es eine wachsende Forschung zu Musik als Mittel der Kommunikation und Protestform, etwa im Kontext gesellschaftlicher Bewegungen oder unterdrückter Gruppen – der politische Stellenwert von Musik bleibt bis heute erstaunlich ambivalent.

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