Podcast: Die Wahrheit hinter der Schutztruppe – Kolonialmacht und Gewalt im Schatten des Kaiserreichs

Schutztruppe – klingt nach Bewachung, vielleicht sogar Fürsorge? Der Schein trügt allerdings gewaltig. Hinter diesem Begriff verbergen sich Kontrolle, koloniale Herrschaft und nicht zuletzt rohe Gewalt. Für wen wurde hier eigentlich wirklich Schutz versprochen – und gegen wen?

heute 16:27 Uhr | 3 mal gelesen

Der Podcast rund um die kaiserliche Schutztruppe, unter der Leitung von Dr. Christian Stachelbeck, gräbt tiefer: Zusammen mit Dr. Pierre Köckert und Christian Senne wirft er einen vielschichtigen Blick darauf, wie die Schutztruppe zwischen 1880 und 1918 zu einer Art verlängertem Arm der imperialen Macht wurde. Die Runde verzichtet dabei auf plumpe Schwarz-Weiß-Malerei und diskutiert stattdessen, wie militärische, polizeiliche und verwaltungstechnische Mittel zusammenwirkten, um das Kolonialsystem am Laufen zu halten. Während Köckert die Institution im großen Ganzen betrachtet, geht Senne stärker ins Persönliche und taucht in die Biografie von Curt von Morgen sowie den rauen Alltag in den Kolonien Kameruns ein. So entsteht ein ehrlicheres und differenzierteres Bild: Die sogenannte Schutztruppe war meist weniger „Schutz“ als vielmehr Werkzeug systematischer Gewalt. Wer tiefer einsteigen mag, findet die komplette Folge online beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw).

Die Podcastfolge rückt die Widersprüche der kaiserlichen Schutztruppe ins Licht – angeblicher Schutz für wen eigentlich? Historiker analysieren, wie das Militär nicht nur Sicherheit versprach, sondern vor allem Repression für die lokale Bevölkerung bedeutete. Die Diskussion macht klar: Ohne die gewaltsamen Strukturen der Schutztruppe wäre das deutsche Kolonialprojekt nicht so lange aufrechterhalten worden. Interessant ist zudem, dass aktuelle Forschungen (u. a. von Jürgen Zimmerer, Universität Hamburg) immer deutlicher aufzeigen, wie eng sogenannte "Ordnungsmaßnahmen" der damaligen Truppe mit schwersten Menschenrechtsverletzungen und der Vernichtung indigener Kulturen verknüpft waren. Gerade der Genozid an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika gilt heute als warnendes Beispiel dafür, wie Sprache („Schutz“) und Realität (Gewalt, Vertreibung) auf tragische Weise auseinanderklaffen. Der Podcast fügt sich somit in ein wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein ein, das mit Denkmalstürzen, Museumsdebatten und Forderungen nach Restitution immer deutlicher nach Aufklärung und Gerechtigkeit ruft.

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