„Ein Drittel Europas kann man nicht einfach übergehen“, betont Außenminister Sikorski im Gespräch mit der 'FAS'. Seiner Ansicht nach reicht es nicht mehr, dass nur Berlin, Paris und London den Kurs zu internationalen Gesprächen über den Ukraine-Krieg bestimmen. Er verweist auf die geografische Realität: Polen sei direkter Nachbar sowohl zu Russland als auch zur Ukraine – im Gegensatz zu Deutschland. Insbesondere im Südosten Polens spüre die Bevölkerung tagtäglich die Nähe des Krieges. Sikorski schildert, wie die Anwohner dort sogar die Explosionen auf ukrainischer Seite hören können. Außerdem, so rechnet er vor, läuft der Großteil aller westlichen Waffenlieferungen für Kiew über Polen. „Das Risiko tragen wir“, erklärt er. Deswegen fordert er mehr Mitspracherecht für sein Land bei allen künftigen Verhandlungen. Zwei Wege schlägt der Außenminister vor: entweder die Einbindung der offiziellen EU-Institutionen wie dem Ratspräsidenten – aktuell Antonio Costa – oder aber eine Zusammenarbeit innerhalb einer „Koalition der Willigen“ als Vertreter Europas am Verhandlungstisch.
Polen beansprucht eine stärkere Rolle in den Gesprächen über die Beendigung des Ukraine-Krieges und stellt die aktuelle Entscheidungsfindung infrage, die vor allem von Deutschland, Frankreich und Großbritannien geprägt wird. Außenminister Sikorski betont die besondere Betroffenheit Polens aufgrund der gemeinsamen Grenze zu Russland und der Ukraine sowie die zentrale Rolle als Transitland für westliche Militärhilfe. In den jüngsten Medienberichten ist zu erkennen, dass sich die Nervosität in Osteuropa verschärft: Nach Angaben der 'Süddeutschen Zeitung' sollen insbesondere Staaten im Baltikum und Mitteleuropa eine größere Mitsprache bei Sicherheitsfragen fordern, um ihre eigenen Risiken und Perspektiven stärker einzubringen. Auch in der internationalen Presse wird die wachsende Kluft zwischen westeuropäischen und osteuropäischen Interessen diskutiert. Zudem werden die diplomatischen Spannungen durch die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Ausrichtung der EU und der NATO noch verschärft, wie eine Analyse der FAZ bestätigt.