Es kommt selten vor, dass ein geopolitisch eher ruhiger Fleck wie Grönland plötzlich derartigen Wirbel auslöst. Doch nach den jüngsten Andeutungen des ehemaligen US-Präsidenten Trump über einen möglichen Erwerb der Insel schwelt bei deutschen Sicherheitspolitikern spürbare Unsicherheit. CDU-Verteidigungspolitiker Kiesewetter bringt es treffend auf den Punkt: Wer Trumps Parolen schlicht als wirtschaftliches Geplänkel abtut, unterschätzt die tatsächlichen Ambitionen - ja, den buchstäblichen Expansionsdrang. "Trump meint das durchaus ernst – und wortwörtlich, was das Ausweiten des US-Territoriums angeht", sagte er gegenüber der Funke-Mediengruppe. Europa dürfe hier nicht nur zusehen und hoffen, sondern müsse sich angesichts der globalen Ränkespiele zwischen Washington, Moskau und Peking komplexer aufstellen. Dass Europa nicht zum geopolitischen Spielball verkommt, ist für ihn klar: Es braucht mehr als Lippenbekenntnisse zu Partnerschaften, insbesondere mit Akteuren wie Japan, Australien oder Südamerika. SPD-Politikerin Siemtje Möller schlägt in eine ähnliche Kerbe – nur noch deutlicher Richtung Washington: Die Bundesregierung solle den USA klarmachen, dass über die Zukunft Grönlands ganz allein die Menschen auf der Insel sowie Dänemark entscheiden. Und, so Möller, man dürfe „Sicherheitsinteressen“ nicht einfach als Freifahrtschein für Einflussnahme missverstehen. Ob das ausreicht, bleibt allerdings fraglich – in einer Welt, in der Eisschollen zusammenschrumpfen und Großmächte aufrüsten, wirken Appelle bisweilen wie Gletscher im Tauwetter... manchmal bleibt einfach nur vorsichtiger Optimismus.
Die Debatte um Grönland und das Interesse der USA, unter Trump erneut aufflammt, wirft ein scharfes Licht auf Europas sicherheitspolitische Selbstwahrnehmung. CDU- und SPD-Politiker fordern, Europa müsse lernen, seine Interessen konsequenter und eigenständiger zu vertreten, nicht nur im Verhältnis zu den USA, sondern auch im globalen Machtgefüge gegenüber Russland und China. Neuere Entwicklungen zeigen außerdem, dass nicht nur geopolitische, sondern auch klimatische und wirtschaftliche Faktoren den strategischen Wert Grönlands steigern: Die schmelzenden Eisschilde eröffnen neue Schifffahrtsrouten und Rohstoffvorkommen, wodurch der Besitz der Insel immer attraktiver wird – kein Wunder also, dass die Großmächte hier ihren Einfluss ausbauen wollen.