„Die Richtung muss wirklich eindeutig aus dem Kanzleramt kommen“, mahnt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Noch immer würden in politischen Hinterzimmern vor allem Konzepte diskutiert, die Deutschland zu besseren Nachzüglern der Amerikaner machen, statt echte Unabhängigkeit zu fördern. Die nötige Koordination, so Schularick, gehöre nicht ins Verteidigungsministerium – dort behalten Soldaten die Übersicht, aber keine Wirtschaftsexperten. Das Wirtschaftsministerium mag die Dringlichkeit immerhin erkannt haben, doch die letzte Verantwortung bleibt für Schularick eben Chefsache. Bisher stehe eine schlüssige Marschroute zur besseren Verzahnung von High-Tech-Wirtschaft und Verteidigung aus – bei gewaltigen Milliardeninvestitionen. Laut Schularicks Bilanz droht nach dem Ausgeben von über einer halben Billion Euro bis 2030 dennoch die gleiche Abhängigkeit von den USA wie heute – etwas, das man der Bevölkerung kaum vermitteln kann.
Ein weiteres offensichtliches Problem: Die Produktion im Rüstungssektor kommt kaum vom Fleck; Taurus-Marschflugkörper etwa entstehen immer noch im Schneckentempo – ein krasser Kontrast zur riesigen Nachfrage. Während andere Industriebranchen in Deutschland kriseln und Kapazitäten abbauen, verpufft die Chance, diese freien Ressourcen für die Verteidigung zu mobilisieren. Warum arbeiten Rüstungsschmieden noch immer fast gemütlich im Tagschicht-Modus, statt die Trommeln der Produktion zu rühren? Ein Strategie-Fehlgriff, findet Schularick.
Schließlich blickt er mit Sorge auf die Zukunft: Ohne Weitblick drohe Deutschland, bei der Verteidigung entscheidender Technologien wie KI, Robotik oder Satelliten den Anschluss zu verlieren. Anders gesagt: Es geht längst nicht mehr um klassische Panzer, sondern um Kontrollmacht über die Technologien von morgen. Gerade Deutschland, mit seiner Wirtschafts- und Industriekraft, habe die Mittel und die Verantwortung, Europas Verteidigungsbollwerk zu werden – sofern die Politik endlich entschlossen handle.
Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, hebt hervor, dass Deutschland trotz enormer Verteidigungsausgaben weiterhin zu sehr auf die Vereinigten Staaten vertraut und fordert eine neue Führungskultur aus dem Kanzleramt, um die europäische Eigenständigkeit zu stärken. Er kritisiert die trägen Produktionszahlen der deutschen Rüstungsindustrie und bemängelt, dass ungenutzte Industriepotentiale bestehender kriselnder Branchen nicht für die Aufrüstung eingesetzt werden, während andere Länder bereits in Zukunftstechnologien investieren. Nach Recherchen der letzten 48 Stunden wird diese Debatte in den Medien breit geführt: Mit Blick auf die stockenden Waffenlieferungen an die Ukraine (Quelle: sueddeutsche.de), die kritischen Stimmen zur deutschen Verteidigungspolitik (Quelle: zeit.de) und einem neuen politischen Streit um das Zwei-Prozent-Ziel für Verteidigungsausgaben (Quelle: spiegel.de) verstärkt sich der Druck, sowohl die Führung als auch die Industriepolitik grundlegend zu überdenken und Visionen für eine eigenständig europäische Verteidigungsstrategie zu entwickeln.