Skepsis gegenüber digitalem Euro in der Finanzwelt wächst

Im Streit um die Einführung des digitalen Euros durch die EZB erhalten die Kritiker des neuen Zahlungsinstruments zunehmend Aufwind.

heute 12:05 Uhr | 8 mal gelesen

Das Center for Financial Studies (CFS), das nahe der Frankfurter Goethe-Universität angesiedelt ist, hat eine Umfrage unter Fach- und Führungskräften der Finanzbranche durchgeführt – und die Ergebnisse sind eindeutig: Über 62 Prozent der Befragten halten den digitalen Euro für entbehrlich, da ihrer Ansicht nach bereits genügend Zahlungsmöglichkeiten existieren. Bei der Akzeptanz unter Privatkundinnen und -kunden sind die Zweifel sogar noch größer; zwei Drittel der Teilnehmer erwarten ein nur geringes oder gar sehr geringes Interesse an der Nutzung des digitalen Zentralbankgelds. Volker Brühl, Geschäftsführer des CFS, äußerte sich im Gespräch mit der "Welt" entsprechend: "Da gibt es viel Skepsis, vor allem, was den tatsächlichen Nutzen angeht." Ein weiteres, viel diskutiertes Thema ist der Datenschutz. Zwar sind die Meinungen diesbezüglich gespalten – fast die Hälfte schätzt das Risiko, dass Privatsphäre lückenhaft geschützt werden könnte, als groß ein. Brühl betont: "Cybersecurity ist und bleibt eine Baustelle. Die EZB steht in der Pflicht, überzeugendere Lösungen zu präsentieren als bisher – absolute Sicherheit lässt sich aber ohnehin nie garantieren." Die Umfrage, finanziert und unterstützt von Frankfurt Main Finance, kommt zu einer Zeit, in der die Vorbereitungen für den digitalen Euro besonders intensiv laufen. Die EZB peilt eine erste Probephase im Jahr 2027 an. Notwendig sei der digitale Euro, so argumentieren Fans des Projekts, um Europas finanzielle Autonomie zu erhalten, gerade angesichts der Dominanz amerikanischer Kreditkartenanbieter und globaler Tech-Konzerne. Doch Banken und Sparkassen reagieren mit Sorge, da sie massive Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell fürchten – nicht ob, sondern wie der digitale Euro eingeführt wird, ist für sie das Kernproblem. Die Angst: Sobald das Zentralbankgeld digital und direkt verfügbar ist, könnten Kundinnen und Kunden ihr Geld an der Bank vorbei parken und Einlagen abziehen. Entsprechend verteidigt die EZB ihr Anliegen: Der digitale Euro soll als Ergänzung zu Bargeld und Konto, nicht als Ersatz, die Vielfalt sichern und allen Europäern den Zugang zu sicherem Zentralbankgeld ermöglichen. Interessant: Laut einer weiteren Umfrage, die die EZB in Auftrag gegeben hat, wären rund 66 Prozent der Teilnehmenden zumindest bereit, den digitalen Euro einmal auszuprobieren.

Die Debatte um den digitalen Euro wird immer vielfältiger und komplexer: Während ein Großteil der Fachkräfte in der Finanzwelt deutliche Vorbehalte äußert und den Bedarf an einem weiteren Zahlungsmittel infrage stellt, betonen die Befürworter die strategische Notwendigkeit für die Unabhängigkeit Europas im digitalen Zahlungsverkehr. In den letzten Tagen wurde berichtet, dass die EZB zunehmend unter Zugzwang gerät, praktikable Lösungen für Datenschutz, Cybersicherheit und Nutzerakzeptanz zu präsentieren – Themen, die auch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden. Angesichts der geplanten Pilotphase ab 2027 hat die EZB die Kommunikationsstrategie intensiviert, um zu betonen, dass der digitale Euro nicht das Bargeld verdrängen, sondern als zusätzliche Option ein Stück Souveränität und Resilienz im europäischen Zahlungswesen schaffen soll. Darüber hinaus gehen viele aktuelle Artikel auf die weltweite Entwicklung digitaler Zentralbankwährungen ein, denn auch China, die USA und andere Staaten arbeiten an eigenen Konzepten – der digitale Euro ist also kein Solitär, sondern Teil eines größeren geopolitischen Trends. Ein Aspekt, der in aktuellen Nachrichten ebenfalls inzwischen öfter aufscheint: Die Begeisterung der Nutzer ist von der wahrgenommenen Alltagstauglichkeit und dem Sicherheitsgefühl abhängig – politische Argumente überzeugen viele bislang wenig.

Schlagwort aus diesem Artikel