Es gibt Zeiten, da wirkt das, was man Dokumentarfilm nennt, fast schon wie ein Hilfeschrei – lautlos, aber nicht ungehört. 'Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene' nimmt einen mit in eine düstere Welt, in der Opposition gegen das Regime nicht bloß riskant, sondern existenzbedrohend ist. Im Fokus: Biografien wie jene von Arsenij Turbin, der mit 14 Jahren – ein Alter, in dem man hierzulande sorglos durch Schulflure eilt – für regimekritische Worte direkt ins Fadenkreuz der Sicherheitskräfte geriet und Jahre im Gefängnis verbringen musste. Seine Mutter, von Kummer gezeichnet, kämpft verbissen um sein freies Leben.
Ganz anders, aber doch ähnlich beklemmend, ist der Fall von Sasha Skochilenko, die durch eine simple Geste – Protestschilder in Supermärkten gegen den Ukraine-Krieg – zum Ziel staatlicher Repression wurde und mehre Jahre Haft auf sich nahm. Dass sie schließlich, wie Oleg Orlov von Memorial, durch einen Gefangenenaustausch freikam, ist fast ein Wunder – zeigt aber auch, wie zynisch das System mit seinen Gegnern spielt.
Der Film, ein Gemeinschaftswerk von Babel Doc, Clin d'oeil Films, France TV, DW und SWR, hält die Erzählungen an der Schwelle zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Im Zentrum stehen stets die Stimmen derer, die von staatlicher Willkür gebrochen werden sollen. Dennoch – oder gerade deswegen – bleibt im Betrachter das Gefühl, dass Widerstand auch im Gefängnis seinen Ort behält. Wer möchte, kann den Film ab dem 28. November für sich entdecken oder sich auf den Kanälen der Deutschen Welle ab 6. Dezember ein Bild machen. Vielleicht ist es mehr als eine Doku – vielleicht ist es ein leiser Protest, den wir alle hören sollten.
Die Doku 'Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene' porträtiert mit eindringlicher Nähe das Leid politischer Gefangener und ihrer Familien im gegenwärtigen Russland. Neben bekannten Einzelschicksalen – zum Beispiel Sasha Skochilenko und Arsenij Turbin – thematisiert der Film das rigide Kalkül staatlicher Unterdrückung, das sich selbst vor Kindern nicht scheut. Den Machthabern steht eine kleine, aber unnachgiebige Zivilgesellschaft gegenüber, die nicht müde wird, Missstände zu benennen und Hoffnung zu schüren.
Erweitert um aktuelle Entwicklungen: In den letzten 48 Stunden wurde gemeldet, dass die russischen Behörden erneut oppositionelle Aktivist:innen inhaftierten, unter anderem im Kontext angeblicher Spionage und wegen Kundgebungen gegen die weitere Einschränkung von Bürgerrechten (Quelle: DW). Internationale Organisationen fordern verstärkt Freilassungen, insbesondere in den Fällen, in denen Krankheiten oder unmenschliche Haftbedingungen bekannt werden (Quelle: Spiegel). Auch in deutschen Medien werden die neusten Entwicklungen rund um den Memorial-Prozess sowie die fortschreitende Überwachung zivilgesellschaftlicher Gruppen intensiv diskutiert (Quelle: FAZ).