Stromausfall in Berlin: Wegner wegen Tennis während Krise unter Beschuss

Berlins Regierungschef Kai Wegner (CDU) sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass er während eines großflächigen Stromausfalls Tennis spielte. Besonders die Grünen und die AfD gehen ihn dafür scharf an.

07.01.26 20:32 Uhr | 9 mal gelesen

Werner Graf, Grünen-Mitglied und Kandidat bei der Berliner Landeswahl, ließ gegenüber 'Welt' seinem Unmut freien Lauf: 'Ich bin wirklich fassungslos – das passt so gar nicht zu einem Regierenden Bürgermeister.' Laut Graf wusste Wegner bereits frühmorgens, dass 45.000 Berliner Haushalte plötzlich im Kalten saßen und sei ungeachtet dessen wenig später zum Tennisplatz aufgebrochen. Für Graf widerspricht das komplett dem Anspruch an Krisenmanagement und Führungsverantwortung, vor allem, weil es schon vor Monaten einen ähnlichen Vorfall gab. 'Man muss doch aus Fehlern lernen!' Seine Kritik sparte nicht mit Verweisen auf Bedrohungen durch Extremisten und einen möglicherweise zu sorglosen Umgang der Landesregierung. Kristin Brinker (AfD), die Berliner Landesvorsitzende, forderte sogar Wegners Rücktritt. Sie könne rein menschlich verstehen, dass man mal Abstand braucht, aber in solcher Situation das Tennis-Schläger-Schwingen – das sei unverzeihlich. Besonders schwer wiege für sie, dass Wegner die Berliner Öffentlichkeit 'hingehalten' habe. Ihr Urteil: 'Rücktritt. Punkt.' Zusätzlich beklagte sie Wegners zögerliches Handeln am Tag der Krise. Wegner selbst sieht die Sache weitaus entspannter: Er habe Tennis lediglich genutzt, um für eine Stunde Abstand zu gewinnen – das Handy sei laut gestellt gewesen, die Arbeitsfähigkeit sei stets gewährleistet. Schon ab 8:08 Uhr habe er mit verschiedenen Stellen telefoniert, Maßnahmen koordiniert, selbst das Kanzleramt und die Bundeswehr mit eingebunden. Die betroffenen Berliner, glaubt Wegner, sollten am Ende froh sein, dass der Strom schon bald wieder da war – und auch, dass er sich dafür eine kleine sportliche Pause gegönnt habe. "Das Entscheidende ist: Die Krise wurde gelöst." Ganz ausdrücklich würde er auch rückblickend wieder so handeln.

Der Stromausfall in Berlin legte am Wochenende Zehntausende Haushalte lahm, was für viel Kritik an Bürgermeister Wegner sorgte. Während sich Opposition und Teile der Bevölkerung über sein Verhalten und seine Prioritäten in der Krise empörten, verteidigte Wegner seine Entscheidungen mit Verweis auf seine Erreichbarkeit und das erfolgreiche Krisenmanagement. Inzwischen werfen mehrere Stimmen auch grundsätzliche Fragen zur Vorbereitung Berlins auf vergleichbare Vorfälle sowie zur Rolle und Selbstdarstellung politischer Führung auf. Ergänzend: Laut neuesten Berichten wurden die Ursachen des Stromausfalls mittlerweile zumindest teilweise auf Brandstiftung zurückgeführt, wobei Sicherheitslücken erneut diskutiert werden. Ein weiteres akutes Thema: Die Berliner Feuerwehr und Polizei meldeten erhebliche Personalprobleme bei der parallelen Bewältigung mehrerer Großlagen – das sorgt nicht zuletzt auch wegen der jüngst gestiegenen Bedrohungen abseits technischer Schwachstellen für Debatten (Quelle: www.spiegel.de).

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