WDR erwägt Abschied vom Standort Köln-Bocklemünd: Digitalisierung zwingt zur Neuausrichtung

Der Westdeutsche Rundfunk will sich von seinem traditionsreichen Produktionsgelände in Köln-Bocklemünd verabschieden – zu groß, zu teuer, zu wenig ausgelastet. Mit dem Umbau in Richtung schlankerer, digitaler Abläufe wird das Areal entbehrlich. Das Ergebnis interner Prüfungen: Die Zukunft des Senders liegt nicht mehr im Industriegebiet, sondern gebündelt in der City.

heute 14:33 Uhr | 2 mal gelesen

WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau bringt es auf den Punkt: "Wer sich zukunftsfähig aufstellen will, muss auch Ballast abwerfen." Der Kölner Sender will seine Energie in die Innenstadt verlagern – dorthin, wo moderne, effizientere Medienproduktion möglich ist. Das weitläufige Areal in Bocklemünd steht diesem Ziel offenbar im Weg: Zu groß, zu teuer im Unterhalt, und für neue digitale Strategien schlicht überdimensioniert. Eine eigene Arbeitsgruppe – besetzt mit Personalrat und betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – soll jetzt gründlich ausloten, wohin die in Bocklemünd angesiedelten Bereiche künftig ziehen können. Es betrifft Teams wie Veranstaltungstechnik, Multimedia, Großproduktion, On-Air-Design, Archive, Transportdienste, aber auch den Innovation Hub. Auch Mieter wie Bavaria Studios und der Zentrale Beitragsservice sind involviert. Das Ziel: Zum einen ein geordneter Umzug, zum anderen der baldmöglichste Verkauf des Geländes. 2028 sollen die Umzüge abgeschlossen sein, spätestens 2035 der Standort endgültig Geschichte. Der Verkauf erfolgt in Abstimmung mit den Kontrollgremien.

Mit dem geplanten Verkauf des Standorts Bocklemünd vollzieht der WDR einen tiefgreifenden Wandel: Die Entscheidung ist Resultat struktureller und wirtschaftlicher Analysen, die den Unterhalt des Geländes nicht mehr rechtfertigen. Besonders auffällig: Der Medienwandel erzwingt nicht nur einen technologischen, sondern auch einen räumlichen Umbruch. Der Trend der vergangenen Jahre – weniger analoge Studioproduktion, mehr digitale Zusammenarbeit – zeigt sich hier besonders drastisch. Für viele Mitarbeitende ist der Schritt zwiespältig; neben der Unsicherheit entstehen Chancen auf modernere Arbeitsplätze und Zentralität, aber eben auch der Abschied von einem "alten Zuhause" des Senders. Außerhalb des Senders gibt es Spekulationen über die Folgen für die lokale Medienwirtschaft und mögliche Nachnutzungen des Areals, etwa als Mediencampus, Wohnraum oder Gewerbepark. Neuere Recherchen ergaben zudem, dass der WDR bereits seit mehreren Jahren Kosten senkt und sich auf crossmediale Formate konzentriert; der Verzicht auf so große Flächen ist somit auch ein Zeichen für die Entwicklung des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Richtung Effizienz und Digitalisierung. Aktuelle Berichte zeigen, dass öffentliche Einrichtungen (inklusive Medienhäusern) generell unter Spardruck stehen, und Immobilieneinsparungen gerade im Ballungsraum Köln an Bedeutung gewinnen.

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