Angesichts eines prognostizierten Anstiegs der Wirtschaft um circa ein Prozent in Deutschland fallen die erwarteten negativen Einflüsse des Nahostkriegs bislang nicht ins Gewicht. DIW und RWI vermuten, dass die Inflation in diesem Jahr infolge der Krise um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte zulegen könnte, während das Ifo-Institut von einem etwas moderateren Plus von 0,2 Prozentpunkten ausgeht. Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kieler IfW, schränkt allerdings ein: Sollte sich die gegenwärtige Situation am Energiemarkt nicht massiv verschärfen und der Konflikt nur eine überschaubare Dauer haben, seien die wirtschaftlichen Folgen absehbar und so überschaubar, dass keine größeren Prognoserevisionen nötig seien. Derzeit sprechen viele der Konjunkturforscher von einem überschaubaren Dämpfer und einer 'fragilen Erholung', wie etwa Oliver Holtemöller vom IWH betont. Noch kritischer werden die Aussichten erst, wenn der Konflikt in einen echten Energiepreisschock mit Unterbrechungen wichtiger Transportrouten wie der Straße von Hormus mündet. Bleiben Öl- und Gaspreise lediglich vorübergehend erhöht, dürfte der Schaden für Deutschlands Wirtschaft begrenzt bleiben – vorausgesetzt, der Konflikt zieht sich nicht monatelang hin.
Wirtschaftsexperten taxieren die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Deutschland momentan als begrenzt. Die erwartete Konjunkturdämpfung von etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten würde die zaghafte wirtschaftliche Erholung kaum gefährden, sofern sich die Situation an den Energie- und Rohstoffmärkten nicht zuspitzt und der Konflikt zeitlich begrenzt bleibt. Kritische Engpässe oder dauerhafte Störungen im Öl- und Gastransport, etwa durch eine Blockade der Straße von Hormus, könnten die Aussichten jedoch merklich verschlechtern. Während die Institute unterschiedlich starke Inflationsschübe erwarten – von +0,2 bis +0,5 Prozentpunkten –, stufen sie die Gefahr eines echten Konjunktureinbruchs momentan als gering ein. Neue Analysen verdeutlichen, dass vor allem eine prompte diplomatische Entschärfung des Konflikts für den weiteren wirtschaftlichen Verlauf entscheidend bleibt.