Wie Paketdienste russische Sanktionen offenbar austricksen

In Deutschland haben frühere Mitarbeiter einer Tochter der russischen Staatspost ein fragwürdiges Logistiksystem aufgebaut. Damit könnten regelmäßig sanktionierte Güter aus der EU an Russland vorbei geliefert werden – möglicherweise unter den Augen der Behörden.

25.01.26 06:02 Uhr | 63 mal gelesen

Manchmal sieht man im Alltag Dinge, die irgendwie – sagen wir mal – seltsam wirken. So ein Fall steht gerade im Raum: Laut "Bild am Sonntag" (ausgerechnet), laufen schon seit über zwei Jahren Ermittlungen gegen Verantwortliche, die für einen Ableger der russischen Staats-Post in Deutschland tätig waren. Der Vorwurf: Verstöße gegen die EU-Sanktionsregeln, konkret durch Paketversand. Der Zufall wollte es, dass der Zoll mehrfach Pakete mit verbotener Elektronik erwischte. Ein Ex-Geschäftsführer soll nun 62 Mal versucht haben, diese Regeln zu brechen – was wirklich keine kleine Nummer ist.

Kurioserweise gibt es mittlerweile den Verdacht, dass dieselben Leute, gegen die ermittelt wird, inzwischen schon wieder mitmischen: Sie hätten eine neue Logistikfirma in Köln aufgezogen, die – nun ja – anscheinend als Drehscheibe für Postsendungen aus ganz Europa Richtung Russland dient. Jeden Monat, so steht es im Bericht, werden gleich mehrere Hundert Tonnen Pakete von einem Lagerhaus nahe Berlin über die Grenze Richtung Osten geschickt. Sogar russische Lebensmittelläden in Deutschland nehmen solche Pakete als Annahmestellen an.

Das Ganze läuft teils offiziell mit Labeln der Post aus Usbekistan – kurioserweise ist diese in Deutschland aber gar nicht als echter Dienstleister zugelassen. Die Bundesnetzagentur wundert das auch, denn so ein Konstrukt hat schon einen seltsamen Beigeschmack. "Bild" schickte als Test selber fünf Pakete los, allesamt mit GPS-Tracker. Der Weg aller Sendungen – wenig überraschend – führte brav über Polen und Belarus nach Russland.

Der deutsche Zoll betont, dass Pakete an den EU-Außengrenzen zwar kontrolliert werden, aber halt meistens nur stichprobenartig. Die Logistikfirma selbst beteuert, man habe strenge Prüfungen – na ja, aber eigene Fälschungen könne man eben schwer verhindern. Bleibt die Frage: Wie viel graue Logistik gibt es eigentlich noch, trotz Sanktionen?

Auffällig ist, dass trotz verschärfter Sanktionen gegen Russland nach Beginn des Ukraine-Kriegs offenbar weiterhin Schlupflöcher bestehen, insbesondere im Bereich internationaler Paket- und Logistikdienste. Behörden – darunter der Zoll und die Bundesnetzagentur – sind nach wie vor dabei, dubiose Geschäftsmodelle aufzudecken, die mutmaßlich an den EU-Regeln vorbei agieren. In den letzten 48 Stunden wurden neben dem genannten Fall verstärkt Stimmen in Politik und Medien laut, die auf die Dringlichkeit schärferer Kontrollen und einer engeren internationalen Zusammenarbeit hinweisen. Ergänzend meldet die "Süddeutsche Zeitung", dass die EU plant, den Fokus ihrer Sanktionen auf Zwischenhändler in Drittstaaten zu legen, um Sanktionsumgehungen effektiver einzudämmen (Quelle: www.sueddeutsche.de). Die "FAZ" thematisiert, dass einige osteuropäische Länder unter Druck geraten, ihre Zollprozesse zu verschärfen, weil Auffälligkeiten im Warenverkehr Richtung Russland zugenommen haben (Quelle: www.faz.net). Und "Zeit Online" sieht einen Trend zu immer raffinierteren Umgehungswegen – nicht nur bei klassischen Postdiensten, sondern auch bei digitalen Lieferketten, die regulatorisch nur schwer zu greifen sind (Quelle: www.zeit.de).

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