Wirtschaft hofft vor Merz-Indienbesuch auf neues Handelsabkommen

BGA-Präsident Dirk Jandura hält Indien für einen Schlüsselfaktor deutscher Wirtschaftsinteressen – nicht nur in der fernen Zukunft, sondern längst im Hier und Jetzt.

10.01.26 16:25 Uhr | 7 mal gelesen

Indien – viele denken noch an 'ferne Märkte', aber das ist laut Dirk Jandura, dem Chef des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), längst Vergangenheit. Kurz bevor Friedrich Merz und eine Unternehmerdelegation nach Indien aufbrechen, stellt Jandura klar: Was jetzt dringend gebraucht wird, ist ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. 'So ein Deal wäre für Europas Wirtschaft ein echter Gewinn, und geopolitisch sowieso ein Anker', sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Über 2.000 deutsche Unternehmen sind bereits am Subkontinent präsent, und das nicht nur im klassischen Industriesektor – Digitalisierung, KI, Rohstoffmanagement oder Recycling bieten neue Chancen, die in Europa längst gebraucht werden. Wenn Merz nun mit ins Land der Gegensätze reist, sollte es laut Jandura darauf hinauslaufen, Lieferketten zu sichern, neue Märkte aufzutun und die technologische Zusammenarbeit auszubauen – nicht zuletzt, weil das geplante EU-Indien-Gipfeltreffen Anfang 2026 auf dieser Reise entscheidende Impulse bekommen könnte. Dass die Reise jetzt stattfindet? 'Genau richtig', meint Jandura, der auf eine Signalwirkung hofft.

Um Außenhandelsbeziehungen zu stärken, drängt der BGA-Präsident darauf, das EU-Indien-Handelsabkommen voranzutreiben, nicht zuletzt angesichts der aktuellen politischen Spannungen, die Europas wirtschaftliche Abhängigkeiten aus China und Russland offenlegen. Die strategische Bedeutung Indiens wächst, weil das Land eine Alternative für Lieferketten, Produktion und technologische Partnerschaften bietet: Die Volkswirtschaft wächst rasant, verfügt über qualifiziertes Personal und zeigt sich kooperationsbereit im Bereich Zukunftstechnologien. Neueste Medienberichte betonen, dass deutsche Unternehmen, die sich auf dem indischen Markt etablieren, nicht nur von günstigen Rahmenbedingungen profitieren, sondern auch politische Initiativen, wie die 'Make in India'-Kampagne, nutzen können. Hinzu kommen Herausforderungen: Das geplante Abkommen steht immer noch vor Hürden, etwa im Bereich intellektuelles Eigentum, Datenschutz und regulatorischen Standards. Dennoch: Der politische Wille zur Annäherung ist auf beiden Seiten spürbar, wie sowohl der aktuelle Besuch als auch kürzlich veröffentlichte Berichte verdeutlichen.

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