Zwischen Erinnerung und Selbstverlust – NDR dreht packenden Film über eine Altenpflegerin
Hamburg – Im ländlichen Niedersachsen entsteht derzeit ein berührender Spielfilm für das NDR-Förderprogramm „Nordlichter“. Im Zentrum steht Lea, eine leidenschaftliche Altenpflegerin (gespielt von Stefanie Reinsperger), die auf einer Demenzstation ungewöhnliche Wege beschreitet: Durch einfallsreiche Rollenspiele will sie den Patient:innen vergessene Momente zurückbringen. Doch als mit Hedda (Karoline Eichhorn) eine Patientin auftaucht, die Erinnerungen an Leas eigene Mutter auslöst, verwischen die Linien zwischen Beruf und persönlichem Schmerz – mit ernsthaften Folgen für Lea selbst und ihr Umfeld.
heute 13:15 Uhr | 2 mal gelesen
Die Dreharbeiten für „Erinner mich an morgen“ laufen noch bis Mitte Mai – gedreht wird in Visselhövede, einer Kleinstadt, deren Alltag wohl selten so viel künstlerischen Trubel erlebt. Regisseur Friedrich Tiedtke und ein Autorenteam um Manuel Ostwald mischen eigene Erfahrungen mit norddeutschen Geschichten – eine Mischung, die manchmal auch zu Impulsivität am Set führt, wie Tiedtke in einem Interview halb im Scherz zugab. Stefanie Reinsperger, die Lea verkörpert, bringt ihre Rolle wohl mit einer bemerkenswerten Intensität auf die Leinwand, unterstützt von einem Ensemble, das sich auf die Darstellung stiller Dramen versteht. Die Geschichte bewegt sich abseits gängiger Krankenhausserien-Klischees: Es geht nicht darum, Held:innen zu zeigen, sondern Menschen im Grenzbereich zwischen Fürsorge und Selbstaufgabe. Ganz nebenbei durchbricht der Film mit seinem Fokus auf das Pflegepersonal und den Umgang mit Demenz auch manches Klischee über norddeutsche Zurückhaltung. Gezeigt werden soll der Film – voraussichtlich – Herbst 2026, sowohl im Fernsehen als auch online. Wer neugierig auf erste Blicke vom Set ist: Auf www.ard-foto.de gibt es einige Bilder zum Stöbern.
„Erinner mich an morgen“ wagt sich an ein Thema, das oft im Schatten steht: den inneren Kampf von Pflegenden mit eigener Überforderung und seelischer Erschöpfung. Anders als viele typische Pflege-Dramen verknüpft der Film die Geschichten der Patient:innen eng mit der persönlichen Entwicklung der Pflegerin – und wagt die Frage, wie hauchdünn die Grenze zwischen Empathie und Selbstverlust sein kann. Neuere Recherchen zeigen, dass gerade Pflegekräfte während oder nach der Pandemie verstärkt unter psychischer Belastung leiden und der Spagat zwischen Berufung und Selbstfürsorge immer schwerer fällt – Aspekte, die der Film spürbar machen will. Mehr noch: Der Fokus auf innovative Erzählformen hebt den Film von gängigen Fernsehproduktionen ab. Die norddeutsche Programmreihe „Nordlichter“ steht für solche mutigen Projekte und bietet jungen Kreativen eine Bühne. Letztlich werden damit nicht nur die Herausforderungen in der Altenpflege, sondern auch die filmische Landschaft Norddeutschlands facettenreicher und moderner.