BDA fordert Rückkehr zur persönlichen Krankschreibung

Vor dem Hintergrund erhöhter Krankenstände setzt sich Rainer Dulger, Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, nicht nur für strengere Regeln bei der Lohnfortzahlung, sondern auch für das Ende der telefonischen Krankmeldung ein.

heute 05:02 Uhr | 27 mal gelesen

Rainer Dulger, der Präsident der BDA, bringt frischen Wind in die Diskussion um Krankmeldungen: Je großzügiger die Lohnfortzahlung, meint er laut einem Gespräch mit der 'Welt', desto mehr Krankheitstage seien zu erwarten – gerade bei harmloseren Beschwerden. Als einen Hauptpunkt nennt Dulger die telefonische Krankschreibung, die aus seiner Sicht ein Relikt der Pandemie und mittlerweile eine Einladung zum Missbrauch sei. Ins Spiel bringt er als Alternative die Videosprechstunden, die seiner Ansicht nach mehr Kontrolle und Transparenz bieten. Außerdem will Dulger die Lohnfortzahlung generell auf sechs Wochen pro Jahr begrenzen, nicht wie bisher für jede neue Erkrankung. Das könnte so manchen überraschen, denn bislang konnten Beschäftigte bei mehreren Krankheiten auch mehrmals Lohnfortzahlung beanspruchen. Zuschläge für erschwerte Arbeitszeiten – etwa für Nachtschichten – sollten im Krankheitsfall seiner Meinung nach ebenfalls nicht mehr weitergezahlt werden. Wer ausfällt, habe schließlich keine Zusatzbelastung, findet Dulger recht trocken. Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen soll öfter prüfen: Bislang sind diese Überprüfungen selten – für den BDA ist das zu wenig Kontrolle. Der Anlass für die Debatte sind auffällige Fehlzeiten nach 2022. Laut IW berechneten sich die Ausgaben für Lohnfortzahlung in diesem Jahr auf etwa 82 Milliarden Euro, zu denen sich noch Produktionsausfälle gesellen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin legt sogar dar, dass 2024 durch Ausfälle ein Schaden von 134 Milliarden Euro entstand und durchschnittlich jeder Arbeitnehmer über 20 Tage krank geschrieben war.

Der Präsident der BDA, Rainer Dulger, fordert tiefgreifende Änderungen bei der Lohnfortzahlung und plädiert für das Aus der telefonischen Krankschreibung – ein Modell, das dank Corona eingeführt und bislang beibehalten wurde. Stattdessen favorisiert Dulger Videosprechstunden als neuen Standard und schlägt vor, die Lohnfortzahlung stärker zu begrenzen, um Missbrauch und hohe Fehlzeiten einzudämmen. Mit dem Anstieg der Fehltage und Kosten von über 80 Milliarden Euro wächst der Druck auf Unternehmen, weshalb Dulger auch verlangt, dass Krankenkassen-Arztgutachten häufiger kontrolliert werden. Ergänzend: In den letzten Tagen sorgte die Debatte um die Reform der Krankschreibung für viel Aufregung – beispielsweise berichtet die FAZ, dass auch Ärzte selbst skeptisch gegenüber einer rein digitalen oder telefonischen Attestvergabe sind und vor zusätzlichen bürokratischen Hürden warnen. Nach Informationen der SZ gab es jüngst viele Stimmen aus der Politik, die stärkere Anreize für Prävention und betriebliches Gesundheitsmanagement statt nur restriktiver Kürzungen fordern. Die aktuelle Diskussion wird auch auf EU-Ebene beobachtet, da Deutschland im europäischen Vergleich die großzügigsten Regelungen bei der Lohnfortzahlung hat und sich viele Unternehmen durch den Standortnachteil unter Druck gesetzt fühlen.

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