Es gibt Momente, da denkt Palmer laut über einen Wiedereintritt in die Grünen nach – zumindest, wenn seine Sicht auf den Kern der Parteiarbeit neben seinen Positionen in der Identitätspolitik zumindest akzeptiert werden könnte. Im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe nennt er vor allem diese Toleranz als Voraussetzung.
Seinen Austritt am 1. Mai 2023 beschreibt Palmer im Rückblick als einschneidend und schwierig. Dem Ganzen war ein Parteiausschlussverfahren vorausgegangen, in dessen Verlauf ihm insbesondere die wiederholte Nutzung des 'N-Worts' und rassistisch anmutende Äußerungen zur Last gelegt wurden. Er sagt offen, dass das Leben nach dem Austritt entspannter sei – kein ständiges Kritisieren, keine ständigen Angriffe auf seine Person, wie er es vorher erlebt habe. Er könne nun im Grunde dieselben Standpunkte vertreten, ohne dass er permanent im Visier stehe – eine Art Erleichterung. Dennoch bleibt der Tenor: In Sachen Ökologie, also dort, wo Palmer auch für sich selbst die meiste 'Wirkung' sieht, sei ein Engagement innerhalb der Grünen eigentlich effektiver – kein Geheimnis, dass er diese Verbindung nie ganz kappen wollte.
Die Option zur Rückkehr? Für Palmer aktuell kein realistisches Szenario, aber: Würde sich eine Möglichkeit auftun, wäre er nicht abgeneigt. Er selbst betont, wie notwendig eine dezidiert ökologische Partei für Deutschland sei. Die schwindende Rolle der Grünen im Bund ist für ihn nachvollziehbar schmerzhaft, zumal der Aufstieg einer neuen, auf Gender- und Identitätspolitik fokussierten Parteigeneration für ihn zur Entfremdung geführt habe.
In puncto Sprache bleibt Palmer eigensinnig: Seine Kritik am moralisierenden Umgang mit bestimmten Wörtern – speziell dem 'N-Wort' – ist unverkennbar. Er lehnt eine Sprachpolizei ab und betrachtet die Debatte um das Wort als 'absurd', lehnt Vergleiche zu Tabus wie Holocaust-Vergleichen ab. Für ihn eine gefährliche Überhöhung, die nach seiner Ansicht letztlich sogar der AfD Türen öffnet.
Boris Palmer, der umstrittene Oberbürgermeister Tübingens, hat erneut Bedingungen für einen möglichen Wiedereintritt in die Grünen genannt. Zentral bleibt für ihn, dass seine Positionen bezüglich Identitäts- und Genderdebatten zumindest von der Partei toleriert werden. Palmer äußert sich kritisch zur aktuellen Priorisierung identitätspolitischer Anliegen innerhalb der Grünen und sieht seine eigenen Thesen dabei weiterhin nicht als anschlussfähig. Die Erfahrungen nach seinem Austritt empfindet er als Befreiung, betont aber zugleich, dass vor allem für ökologische Anliegen ein Platz in der Partei von Vorteil sei. Die anhaltenden Differenzen um Sprache und die soziale Dynamik der Grünen spiegeln einen Generationskonflikt und Palmeners eigenen Unwillen wider, sich darin anzupassen. — Jüngste Online-Recherche zeigt zudem, dass Palmer weiterhin öffentlich für einen entspannteren Umgang mit kontroversen Begriffen plädiert und damit eine eigene Linie fährt, die sowohl intern als auch in der breiteren Gesellschaft polarisiert. Gleichzeitig berichten größere Medien, dass die Grünen mit schwachen Umfragewerten und internen Debatten kämpfen, während Palmer im Gespräch mit Medien seine grundsätzliche Bereitschaft zur Rückkehr offenhält. Bei neuen Berichten auf großen Nachrichtenseiten wird der Konflikt um Identitätspolitik, die Egozentrik einzelner Parteiköpfe und die Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit sensibler Sprache regelmäßig thematisiert.