Wenn Thomas Mur, Messechef in Bozen, ein Fazit zieht, klingt das ehrlich aufgeregt: "Der BEAM Summit ist viel mehr als nur ein Treffpunkt – hier wachsen neue Konzepte und Netzwerke, die sich nicht um alte Schablonen kümmern. Gerade in so unübersichtlichen Zeiten wie diesen sollten wir solche Räume schützen und fördern."
Ein zentrales Thema war die Frage, ob Marken, Hotels oder Reiseziele in einer durch Algorithmen gesteuerten Welt noch echte emotionale Bindungen schaffen können. Sabine Rogg vom trendbüro, Magnus Busch aus der nook society und MOA-Berlin-Chef Philipp Ibrahim schwärmten über den Wert von Gemeinschaft: Es ginge heute nicht darum, alle anzusprechen, sondern zu sagen, wer dazugehört – und wer eben nicht. Rogg brachte es etwas salopp auf den Punkt: "Starke Communitys funktionieren gerade dann, wenn sie nicht für alle gemacht sind."
Auch Sven Sallaerts (Younique Concepts) schob nach: Mut zu Haltung und Unangepasstheit sei heute Gold wert. "Die Zeit des Mainstreams ist gelaufen." Es zähle, andere Wege zu gehen und Erlebnisse zu stiften, bei denen Menschen sich wirklich erkennen können.
Und dann Tyler Brûlé, Monocle-Gründer, der kein Blatt vor den Mund nahm: Überall die gleichen Cafés, die gleichen Instagram-Filter. Und doch – gerade in kleinen, authentischen Orten blühe Individualität regelrecht auf. Sein Beispiel: Ein winziger Monocle-Shop im beschaulichen Obermais ist einer der erfolgreichsten weltweit. Die Warnung: Wenn jedes Reiseziel wie das andere aussieht, verliert man das Wertvollste – den Charakter.
Angelica Megan Galeazzi erzählte vom Gardasee und einer fast schon absurden Alltagsszene in Corto Palazzina: Eierlegende Hühner, Überraschungen im Koffer – eben das Unerwartete, Echte, das bleibt. Wer hätte gedacht, dass solche Dinge Menschen lange berühren können?
Andreas Tuffentsammer mahnte, wie viel verloren ginge, wenn Kochrezepte und Traditionen nicht mehr weitergegeben werden: "Mit jedem Menschen verschwindet auch ein Stück kulinarisches Erbe." Diese Art von Identität lässt sich nicht kopieren – weder durch KI noch durch clevere Algorithmen.
Tag zwei brachte mehr Diskurs zu gesellschaftlichem Wandel, nachhaltiger Ökonomie und Entschleunigung. Boris Lebedev beschrieb den Sprung hin zu einer regenerativen Wirtschaft als unvermeidlich. Nils Persson (Visit Sweden) betonte, dass Sehnsucht nach Natur, wie die nach Ruhe, immer wichtiger werde. Humor, Menschlichkeit und Authentizität tauchten wieder als Kern der Kommunikation auf.
Auch Luis Walcher (Landesrat) und IDM-Chef Erwin Hinteregger betonten, dass Südtirol als Vorbild punkten könne, wenn regionale Verwurzelung, Gastfreundschaft und Ausbildung Hand in Hand gehen.
Die vielleicht radikalste Idee kam von Benjamin Adrion (Viva con Agua): Im Social-Hospitality-Projekt „Villa Viva“ geht es darum, Menschen zu gemeinsamen Anliegen und sozialem Engagement zu bewegen. Die anderen Innovationsprojekte aus Südtirol zeigten ebenfalls, dass in Zukunft Mut, Identität und Gemeinschaft den Unterschied machen – nicht perfekte Abläufe.
Der diesjährige BEAM Summit wirkte wie ein sichtbares Zeichen der Neuausrichtung: Charakter, Eigensinn und echte Verbindung zählen plötzlich mehr. Bleibt die Frage, was davon im Alltag ankommt. Die nächste Runde gibt es dann im Frühjahr 2027 wieder in Bozen.
Der BEAM Summit 2026 in Bozen zeigte klar: Im Gastgewerbe der Zukunft werden menschliche Nähe, Authentizität und Gemeinschaft zur Währung, während die endlose Jagd nach Standardisierung und Austauschbarkeit ausgedient hat. Experten warnten vor der Gefahr, dass Orte und Erlebnisse durch Algorithmen und Social Media zu gesichtslosen Klonen werden könnten – als Gegenmittel werden lokale Besonderheiten, experimentierfreudige Unternehmenskulturen und bewusste Abgrenzung zu neuen Markenzeichen. Interessanterweise betonten viele der Sprecher, dass wirkliche Innovation meist dort beginnt, wo aus mutigen Fehlern Neues wächst – nicht in der Perfektion, sondern im gelebten Risiko.
Neuste Berichte betonen, dass der Trend zu authentischen, identitätsstiftenden Erlebnissen nicht nur im alpinen Raum, sondern quer durch Europa und darüber hinaus zu beobachten ist. Die Süddeutsche Zeitung macht in ihrem aktuellen Artikel auf die zunehmende Bedeutung nachhaltigen Tourismus aufmerksam, wobei insbesondere Regionalität und echte zwischenmenschliche Begegnungen deren Zentrum bilden. Auch SPIEGEL und FAZ greifen ähnliche Entwicklungen auf: Der moderne Gast sucht keine makellosen Oberflächen mehr, sondern will Teil einer ehrlichen Geschichte, einer Gemeinschaft 'auf Zeit', werden, die er erleben und mitprägen kann.