Deutsche Autobauer setzen trotz Bedenken weiterhin auf chinesische Halbleiter

Trotz wachsender Kritik an der Abhängigkeit von China intensiviert die deutsche Automobilindustrie ihren Einkauf von Chips aus der Volksrepublik – eine Entscheidung zwischen Wirtschaftlichkeit und Risiko.

18.12.25 09:48 Uhr | 70 mal gelesen

Wenn man in den letzten Monaten mit Leuten aus der Autobranche spricht, hört man immer wieder: Die Sache mit den Halbleitern bleibt kompliziert. BMWs Einkaufsvorstand, Nicolai Martin, brachte es neulich auf den Punkt – China hat einfach zu viele Halbleiter zu bieten, als dass man das ignorieren könnte. "Auf diese günstigen Chips nicht zurückzugreifen, wäre schwierig", sagt er. Auch Volkswagen und Mercedes-Benz schlagen offenbar einen recht ähnlichen Kurs ein, was in Industriekreisen keiner mehr so richtig bestreitet. Irgendwie verständlich: Die Preise sind niedriger, die Stückzahlen riesig – und die Qualität? Scheint inzwischen zu stimmen. Dennoch: Das mulmige Gefühl bleibt. Niemand will riskieren, dass beim nächsten politischen Streit auf einmal gar nichts mehr läuft. Das hat man vor ein paar Wochen gesehen, als Nexperia – ein chinesisch-niederländisches Unternehmen – die Lieferungen stoppte. Plötzlich gab’s Kurzarbeit bei Zulieferern wie Bosch und ZF. Die Autobauer? Die mussten zittern, ob die Bänder stehen bleiben. Natürlich betonen die Unternehmen, dass sie sich breiter aufstellen. Aber der Spagat bleibt gewaltig: günstige Chips jetzt, strategische Sorgen für später. Pal Skirta, Analyst beim Bankhaus Metzler, bringt es auf diesen klassisch deutschen Zwiespalt: "Ökonomisch sinnvoll, strategisch riskant."

Die deutsche Autoindustrie steht erneut vor der schwierigen Entscheidung, günstigere, aber risikobehaftete Chips aus China einzukaufen. Hinter den Kulissen wird diskutiert, wie mit dem Dilemma umzugehen ist: Einerseits sind deutsche Autos auf moderne Halbleiter etwa für Assistenzsysteme, Bordelektronik und Elektromotoren angewiesen, andererseits verschärfen geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte die Risiken des China-Geschäfts. Der jüngste Lieferstopp von Nexperia hat die Verletzlichkeit der Lieferketten verdeutlicht und die Debatte um Europas technologische Souveränität befeuert. Aktuelle Medienberichte (z.B. in FAZ und SZ) zeigen, dass auch Brüssel zunehmend Druck macht, die Halbleiterproduktion in Europa massiv auszubauen und Förderprogramme wie den europäischen "Chips Act" vorantreibt. Dennoch bleibt in den kommenden Monaten entscheidend, wie flexibel sich Deutschlands Autobauer aufstellen – und wie lange sie dem Spagat zwischen günstiger Beschaffung und strategischer Vorsorge standhalten können.

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