Bei so mancher religiösen Rückbesinnung bleibt es nicht beim inneren Wandel – politische Orientierung, auch in äußerster Form, liegt häufig auf der Lauer. Während einige Influencer:innen offen Sympathien für die AfD äußern, halten sich andere lieber vage – ihre Inhalte bieten trotzdem Anknüpfungspunkte für neurechte Ideologien.
Besonders prägend sind familienpolitische Fragen – Geschlechterverständnis, Rollenbilder, das Thema Abtreibung flammt immer wieder auf; aktuell ausgelöst an der gescheiterten Berufung von Frauke Brosius-Gersdorf ins Bundesverfassungsgericht. Sichtbar bleibt das Ganze nicht virtuelle Folklore: Bei Massenveranstaltungen wie dem „Münchner Marsch fürs Leben“ treten Online-Aktivist:innen gemeinsam mit konservativen Christ:innen ins Rampenlicht.
Längst ist der Kulturkampf in die Religionslandschaft eingesickert. Das aktuelle ARD Radiofeature beleuchtet, wie traditionelle christliche Narrative in digitalen Medien instrumentiert werden, um gegen zeitgenössische Ansichten – etwa zu Geschlecht, Familie und Diversität – mobil zu machen. Gleichzeitig ringen die Kirchen mit sich selbst, zwischen Erneuerung und Verteidigung eines scheinbar universellen Wertekanons in einer unbeständigen Gesellschaft.
Ralf Homann – Wer ist das?
Schon seit den Neunzigerjahren taucht Ralf Homann mit kritischem Blick in rechtsgerichtete Strömungen ein. Seine Features wurden mehrfach ausgezeichnet. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Bildhauerei, übernahm Professorenstellen – besonders erwähnenswert: Experimentelles Radio an der Bauhaus-Universität Weimar. Aktuell lehrt er an der OTH Regensburg und lebt in München.
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Information von: WDR Westdeutscher Rundfunk via news aktuell
Christliche Influencer:innen, oft als „Christfluencer“ tituliert, agieren in Deutschland zunehmend als politische Multiplikatoren – insbesondere, wenn ultrakonservative Werte angesprochen werden. Ihre Social-Media-Strategien gleichen denen klassischer Influencer, der Content ist jedoch klar auf Themen wie traditionelle Familienbilder, Geschlecht oder Abtreibung gerichtet. Damit trifft die Vermischung von Glaube und politischer Agenda auf ein Publikum, das müde geworden ist vom Spagat der etablierten Kirchen zwischen Wandel und Wertekonservatismus. Die Kirchen selbst stecken in einem Dilemma: Einerseits wollen sie Anschluss halten an gesellschaftliche Debatten, andererseits drohen sie, zwischen fortschrittlichen Strömungen und konservativen Rückzugsgefechten aufgerieben zu werden. Durch die wachsende mediale Sichtbarkeit und Veranstaltungspräsenz – etwa bei Märschen oder Protesten – gewinnt diese Szene an realpolitischer Bedeutung, die auch von der Forschung und Berichterstattung zunehmend kritisch beobachtet wird.