"hessenschau" auf Schienen: Pop-up-Redaktion reist mit Zug quer durch Hessen

Frankfurt/Main – Für drei Tage verlässt das „hessenschau“-Team das Studio und begibt sich in die rollende Redaktion: Von Montag, dem 20. April, bis Mittwoch, 22. April, steigen Reporterinnen und Reporter in den Linienzug der Hessischen Landesbahn, um direkt vor Ort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – mitten im Pendleralltag.

heute 12:59 Uhr | 5 mal gelesen

Manchmal braucht es mehr als ein Büro mit Kaffee und Bildschirm, um zu begreifen, was Leute wirklich beschäftigt. Unterwegs – irgendwo zwischen Gießen, Fulda, Limburg, Siegen, Kassel und Frankfurt – setzt die Redaktion der „hessenschau“ auf Nähe statt Distanz. Statt ein Studio einzuladen, rollt dieses jetzt Tage lang durch Hessen. Anna Fazlic vom hr beschreibt das so: "Wir tauchen selbst in den Alltag ein, anstatt darauf zu warten, dass die Menschen uns besuchen." Auch ihr Kollege Frank van Bebber sieht darin eine einmalige Gelegenheit: "Im Zug treffen wir Leute, die wir sonst schlichtweg verpassen würden – das sind Pendler, Menschen aus allen Regionen, mit all ihren Geschichten." 62 Prozent der Erwerbstätigen in Hessen pendeln, mehr als zwei Millionen fahren täglich. Eine Agenda? Gibt's nicht. Wie eine offene Bühne, ohne vorgefertigte Fragen – vielleicht ergibt sich das eine oder andere Gespräch, das so spontan und ehrlich ist, wie man es nur mitreisend erleben kann, abseits von Algorithmen und KI-generierten Newsfeeds. Julia Krittian vom hr beschreibt: "Gerade jetzt leben journalistische Projekte davon, den Finger am Puls der echten Leute zu haben. Wir wollen zeigen, was uns unterscheidet: Menschlichkeit, Neugier, Reaktionsfähigkeit." Übrigens: Mit an Bord sind nicht nur „hessenschau“-Redakteure, sondern Kolleginnen und Kollegen von Formaten wie „Fussball 2000“, „Verurteilt!“, „Die Ratgeber“, hr1, hr4, YOU FM und weitere. Auch der Intendant Florian Hager steigt mal mit in den Waggon. Lustiger Moment am Rand: Wer mitfährt, braucht einen normalen Fahrschein – Medienleute inklusive. Die Route ist eindeutig, aber das Ziel ist offen: Alltag hören, Geschichten sammeln, Gesichter und Stimmen treffen, die selten zu Wort kommen – das alles, während das Land draußen vorbeizieht. Details zum Fahrplan und den Stationen findet man übrigens auf hessenschau.de.

Die Redaktionsaktion der „hessenschau“ als rollende Pop-up-Redaktion auf Pendlerstrecken in Hessen ist eine kreative Antwort auf den Wunsch nach mehr Bürgernähe im Journalismus. Statt mit fixen Terminen oder vorgezeichneten Themen reist das Team ohne feste Agenda, sammelt Stimmen vor Ort und will gerade in einer Zeit, in der KI und Algorithmen Medien prägen, erzählen, was echtes Miteinander im Journalismus bedeuten kann. Aktuelle Recherchen zeigen, dass ähnliche Projekte zwar selten sind, aber das Bedürfnis nach persönlicher Begegnung zwischen Medienmachern und Publikum wächst – nicht nur im ländlichen Raum, auch in urbanen Regionen. In vielen Publikationen wird der direkte Austausch mit Bürgern und die Präsenz vor Ort als essenziell für das Vertrauen in Medien und die Qualität der Berichterstattung hervorgehoben. Die Initiative reiht sich somit in Versuche ein, Traditionen des Lokaljournalismus mit modernen Kommunikationswegen zu vereinen, um auf aktuelle Herausforderungen wie sinkende Medienbindung und Desinformation zu reagieren.

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