IW-Modell: Teures Öl könnte deutsches Wachstum lahmlegen

Ein neuer Konfliktherd im Nahen Osten treibt den Ölpreis – mit spürbaren Folgen für die deutsche Konjunktur.

heute 11:00 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn der Ölpreis 150 Dollar je Fass erreicht, könnte das deutsche BIP in den Jahren 2026 und 2027 deutlich zurückgehen: Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sprechen von insgesamt über 80 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft in diesem Zeitraum. Auch eine Erhöhung auf 'nur' 100 Dollar je Barrel schmerzt: Dann käme es laut IW-Analyse immerhin zu Einbußen von rund 40 Milliarden Euro bis 2027. Preissteigerungen bei Öl schlagen direkt auf die Lebenshaltungskosten durch – von Heizungen und Pendlerkosten bis zur Produktion von Alltagsgütern, und dem Transport dazwischen, eben das ganze unsichtbare Kleingedruckte der Wirtschaft. Die Inflation würde nach diesen Modellen um bis zu 1,9 Prozentpunkte anziehen, je nach Preisszenario. Zwar ist Irans direkter Einfluss auf den deutschen Außenhandel begrenzt, dennoch können Konflikte wie der aktuelle im Nahen Osten Schockwellen durch die internationale Logistik und die Finanzmärkte senden – jeder neue Preissprung bei Energie kann die auf Export orientierte Wirtschaft Deutschlands empfindlich treffen. Wie groß die Gefahr tatsächlich wird, hängt stark davon ab, wie lange die Eskalation anhält und ob zentrale Transportrouten wie die Straße von Hormus blockiert werden. Grundlage der Berechnungen des IW ist ein globales Wirtschaftsmodell von Oxford Economics, das verschiedene Preisniveaus für die kommenden Jahre durchspielt, um die möglichen Anpassungsreaktionen der deutschen Wirtschaft einzuschätzen. Unsicherheiten durch plötzliche geopolitische Verschiebungen sind dabei nur indirekt berücksichtigt – Gaspreise und unerwartete Entwicklungen bleiben eine Blackbox.

Ölpreisschocks gehören zu den klassischen Bremsen für deutsche Wirtschaftsdynamik – und neue Unsicherheiten durch den Nahost-Konflikt können das erneut unterstreichen. Nach aktuellen Berechnungen des IW könnten Preissprünge bei Rohöl das deutsche BIP bis 2027 in erheblichem Ausmaß drücken; die Inflation könnte spürbar steigen, wodurch die Kaufkraft und Investitionsbereitschaft leiden. Der eigentliche Unsicherheitsfaktor liegt jedoch darin, welche geopolitischen Nachbeben und Lieferketten-Störungen ein länger anhaltender Konflikt lostritt – hier setzen immer mehr Expert:innen auf mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen als langfristige Krisenstrategie. Ergänzende Recherchen zeigen, dass neben Energiepreisen auch Themen wie strategische Ölreserven, Ausweichrouten für den Transport und die Verschuldungsfähigkeit des Staates aktuell diskutiert werden. Die Zukunft bleibt also offen, aber Vorsorge und schnelle wirtschaftliche Anpassungen werden entscheidender denn je.

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