Kälteeinbruch in Deutschland: Hoffnungen und Herausforderungen für die Landwirtschaft

Landwirtschaftsverbände geben sich angesichts des plötzlichen Kälteeinbruchs erstaunlich gelassen – mancher Bauernvertreter sieht sogar Chancen für eine bessere Ernte, während einzelne Schattenseiten nicht verschwiegen werden.

10.01.26 11:09 Uhr | 11 mal gelesen

Es ist eine merkwürdige Gleichzeitigkeit von Frost und Hoffnung, die dieser Winter an den Tag legt: Während das Sturmtief 'Elli' Niedersachsen kräftig durchgebeutelt hat, sehen Landwirte dem harten Wetter unbeeindruckt entgegen. Konrad Westphale vom Landvolk Niedersachsen meinte offenherzig, wirkliche Kälteprobleme gäbe es weder bei Wintergetreide noch bei aktuell angebauten Nutzpflanzen. Kurioserweise scheint der frühe Kälteeinbruch im November den Pflanzen eine Art natürlichen Winterschlaf verpasst zu haben, mit dem netten Nebeneffekt, dass lästige Läuse jetzt das Zeitliche gesegnet haben. Peter Röhrig, der für die ökologisch wirtschaftenden Bauern spricht, setzt sogar noch einen drauf: Die „Frostgare“ – das klingt fast poetisch – sorge dafür, dass das Erdreich aufbricht, wie ein guter Brotteig, nur dass es hier um Wurzeln, nicht um Kruste geht. Auf den Äckern kann das Wasser dann im Frühling besser zirkulieren, was zumindest theoretisch eine fettere Ernte verspricht. Trotzdem tun sich praktische Probleme auf, an denen selbst das stärkste bäuerliche Stoßgebet kaum etwas ändern dürfte: Zu den üblichen Ärgernissen zählen eingefrorene Rohre, vereiste Straßen und teils auch zu trockene Böden, weil Schnee als Wasserspender dem Regen nicht das Wasser reicht – eine eigenwillige Ironie der Natur. Läuft der Winter zu lange auf Sparflamme, steigen zudem Futter-, Energie- und Streukosten für Tiere im Stall – und das kann bekanntlich jedem Betrieb das Kalkulieren vermiesen. Kurzum: Es bleibt eine unklare Gleichung zwischen Chance und Risiko.

Der aktuelle Wintereinbruch bringt für die deutsche Landwirtschaft sowohl positive als auch herausfordernde Aspekte: Während die Frostgare dem Boden guttut und Schädlinge dezimiert, entstehen durch längere Stallhaltungen und logistische Schwierigkeiten beträchtliche Mehrkosten. Übrigens häuften sich in den letzten Tagen Berichte über regionale Unterschiede im Umgang mit Schnee und Eis, etwa, dass manche Regionen schnell den Straßenzustand in den Griff bekamen, während andere mit Lieferschwierigkeiten kämpfen mussten. Neuere Meldungen sprechen auch über Engpässe in der Futtermittelversorgung – ein Hinweis darauf, dass die Robustheit des landwirtschaftlichen Sektors zwischen Vorfreude auf den Frühling und Winter-Frust schwankt.

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