In einem Interview mit der 'Rheinischen Post' hat Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Linken, deutlich gemacht, dass sie das Vorgehen des CDU-Wirtschaftsflügels für einen Affront hält – vor allem gegen Frauen und Menschen mit besonderen Belastungen im Alltag. 'Das Recht auf Teilzeit als eine Art Modeerscheinung abzutun, ist schlicht eine Respektlosigkeit', so Schwerdtner wörtlich. Hinter ihren Worten schwingt mit: Hier geht es nicht um angenehme Arbeitszeitgestaltung, sondern um knallharte Lebensrealität, in der viele entweder Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder einfach den Spagat zwischen Beruf und Privatleben schaffen müssen. Insbesondere Frauen träfe eine Einschränkung empfindlich, denn viele sind aus strukturellen Gründen zur Teilzeit gezwungen. Statt das Recht zu beschneiden, sieht Schwerdtner Bedarf bei besseren Kitas und umfassenderer Ganztagsbetreuung.
Wenig überraschend: Auch von der SPD kommt Gegenwind. Die stellvertretende Fraktionschefin Dagmar Schmidt hält nichts davon, das mühsam erkämpfte Recht auf Teilzeit zu schwächen. Im 'Handelsblatt' hob sie hervor, dass dafür vielmehr Investitionen in Bildung und Zukunftstechnologien nötig seien, nicht ein Rückschritt in der Arbeitswelt. Schmidt unterstellt der Union eine widersprüchliche Haltung: Einerseits würden Beschäftigte pauschal zur Leistung gedrängt, andererseits erschwere man gerade jenen die Teilhabe, die auf dem Arbeitsmarkt angekommen seien. Der Hintergrund: CDU und Mittelstands-Union (MIT) wollen Teilzeit nur noch für definiert besondere Lebenssituationen wie Kindererziehung oder Pflege zulassen.
Die Diskussion um das Recht auf Teilzeit entzündet sich an Vorschlägen aus den Reihen der CDU, den Zugang dazu einzuschränken und nur noch bei bestimmten Anlässen zu erlauben – etwa bei Pflegefällen oder Weiterbildungen. Gewerkschaften, Opposition und insbesondere die Linke sehen darin eine Gefährdung sozialer Gleichheit, vor allem zulasten von Frauen, die immer noch unverhältnismäßig oft für die familiäre Sorgearbeit verantwortlich sind. Gegenwärtig belegt Deutschland laut Statistischem Bundesamt eine hohe Quote an Teilzeitbeschäftigten, insbesondere unter Frauen; Experten und Sozialverbände betonen, ein Rückschritt bei Teilzeitregelungen könnte die Altersarmut und die wirtschaftliche Unsicherheit vieler Haushalte vergrößern. Zwar argumentiert die Mittelstands-Union mit Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher Notwendigkeit, aber angesichts des Fachkräftemangels wird aus diversen Wirtschafts- und Gewerkschaftskreisen auch auf die Gefahren hingewiesen, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verlieren. Viele Beobachter sehen in der Debatte einen erneuten Beleg dafür, dass die Schere zwischen politischem Ziel und gesellschaftlicher Realität oft klafft.