Papst Fransiskus als Antipode zu Trump? Ein Blick aus dem Vatikan

Der italienische Vatikan-Insider Piero Schiavazzi glaubt, dass Papst Franziskus heutzutage als globales Gegengewicht zum ehemaligen US-Präsidenten Trump fungiert.

heute 13:37 Uhr | 7 mal gelesen

Piero Schiavazzi, renommierter Vatikan-Kenner und Inhaber eines einzigartigen Lehrstuhls für vatikanische Geopolitik an der Link Universität in Rom, meint: Papst Franziskus spielt inzwischen auf der weltpolitischen Bühne als gewichtiger Akteur, speziell im Kontrast zu Donald Trump. Als Trumps Vorwürfe und öffentliche Spitzen den Papst trafen, wurde dessen Ansehen – anstatt Schaden zu nehmen – aus Schiavazzis Sicht quasi aufpoliert. Interessant ist, dass Schiavazzi beobachtet hat, wie Franziskus eine offene Konfrontation mit Trump eigentlich lange umschiffte. Zu groß das Risiko, einen Keil in die US-Katholiken zu treiben, die teils dem Ex-Präsidenten anhingen – und dem Vatikan finanziell wichtig sind. Erst als Trumps verbale Eskalation gegen das iranische Volk zu heftig wurde, griff der Papst zur Stellungnahme – und zwar ganz bewusst auch direkt an „seine“ amerikanischen Gläubigen gerichtet. Das war ein Moment, so Schiavazzi, in dem Franziskus weniger wie der klassische Papst und mehr wie ein Politiker auftrat. Was auffällt: Hier kristallisiert sich ein grundlegender Dissens heraus – zwei sehr unterschiedliche Verständnisse von christlicher Ethik und Staatsmacht. Trump-nahe Gruppen begründen militärische Gewalt bisweilen religiös, wohingegen Franziskus immer wieder die moralische Begrenzung politischer Kraft betont. Merkwürdig, fast paradox: Trumps Attacken haben laut Schiavazzi am Ende vor allem eines bewirkt – den politischen Einfluss von Franziskus weltweit gefestigt.

Papst Franziskus wird in der aktuellen politischen Landschaft von Experten wie Schiavazzi als moralisches und politisches Gegengewicht zu Donald Trump gesehen, besonders im Hinblick auf Fragen internationaler Konflikte und ethischer Verantwortung. Gerade der Vatikan zögerte lange mit Kritik an Trump, vermutlich, um die einflussreiche US-Kirche nicht zu spalten, entschied sich aber schließlich zu einer klaren Positionierung, als es um Themen wie Iran und friedenspolitische Verantwortung ging. Grundsätzlich prallen in den USA gerade zwei sehr unterschiedliche Lesarten von Christentum und power politics aufeinander, wobei Franziskus’ Haltung einer ethisch motivierten Zurückhaltung im Kontrast zur mitunter religiös eingefärbten Härte Trumps steht.

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