Signal-Chefin sieht KI-Boom kritisch: „Mehr Schein als Sein“

Meredith Whittaker, an der Spitze von Signal, setzt sich deutlich vom aktuellen KI-Trend ab. Das, was vielerorts als bahnbrechende Technologie gefeiert wird, hält sie für maßlos überbewertet.

14.10.25 12:07 Uhr | 287 mal gelesen

Fragt man Meredith Whittaker, ob wir mitten in einer KI-Blase stecken, antwortet sie ganz direkt: „Eigentlich schon.“ Ihre Worte im Gespräch mit dem Spiegel klingen ernüchternd – der Hype überstrahle oft die tatsächlichen Fortschritte. Die Signal-Präsidentin, die auch den Thinktank 'AI Now' mitgegründet hat, blickt kritisch auf die Mechanismen hinter dem Technologie-Boom. Was jetzt als große Innovation verkauft wird, sei aus ihrer Sicht oft eher ein Investmentkreislauf – wie im Fall von Nvidia, die mit Milliardenbeträgen OpenAI finanzieren und dann von dort wiederum Aufträge erhalten. Das erinnert sie an die Spekulationsblasen vergangener Tech-Zeiten, Dotcom lässt grüßen. Signal hält sich deshalb bewusst zurück, entwickelt selbst keine eigene KI – vielleicht ein Statement gegen blinden Fortschrittsglauben. Was Whittaker besonders beunruhigt: Die neuen KI-Agenten, also Programme, die eigenständig Aufgaben übernehmen, könnten ein Sicherheitsrisiko der nächsten Stufe darstellen. Ihre Entwicklung sorge dafür, dass intime Daten abgegriffen werden müssten, um wirklich nützlich zu sein. Das birgt aus ihrer Sicht große Gefahren: Hacker könnten künftig viel leichter in bisher sichere Systeme eindringen. Am Ende stehe sogar in Frage, ob die gewohnte Signal-Sicherheit überhaupt noch zu gewährleisten sei. Privatsphäre und Datenschutz – Werte, für die Whittaker steht – sieht sie durch den KI-Trend bedroht. Und ehrlich gesagt: Man versteht, warum sie nervös ist.

Meredith Whittaker, die Präsidentin von Signal und Mitgründerin des AI Now-Instituts, vergleicht den gegenwärtigen KI-Hype aus wirtschaftlicher Sicht mit vergangenen Technologieträumen wie der Dotcom-Blase. Sie weist insbesondere auf sogenannte zirkuläre Investitionen hin – also Kreisläufe, in denen Unternehmen wie Nvidia immense Summen in KI-Konzerne wie OpenAI stecken, letztlich aber nur ihren eigenen Absatz an Chips fördern. Als zentrale Gefahr sieht Whittaker die Entwicklung allgegenwärtiger KI-Agenten, die aus technischer Notwendigkeit Zugriff auf sehr private Daten benötigen, was die Angriffsfläche für Hacker und die Risiken für Datenschutz und IT-Sicherheit enorm vergrößert. Zudem gibt es aktuelle Presseberichte, wonach viele Experten aus dem Umfeld der Digitalpolitik und IT-Sicherheit vor genau diesen Entwicklungen warnen – besonders vor vernetzten Assistenzsystemen, die tief in den Alltag der Nutzer eingreifen könnten. Whittaker hebt dabei hervor, dass ihr Unternehmen gerade aus Überzeugung keine KI-Systeme selbst entwickelt, da die Privatsphäre der Nutzer bei Signal oberste Priorität habe.

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